Pirelli Reifen in der Formel 1
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Aktie unter Ausgabepreis Pirelli holpert an die Börse

Stand: 04.10.2017, 11:46 Uhr

Die Rückkehr des italienischen Reifenkonzern an die Börse ist geglückt, aber Begeisterung kann der Börsenneuling auf dem Parkett nicht entfachen. Anleger tun sich aus mehreren Gründen schwer mit dem Titel.

Mit derzeit 6,43 Euro notiert die Pirelli-Aktie unter dem Ausgabepreis von 6,50 Euro. Und auch dieser Ausgabepreis hatte sich bereits am unteren Ende der Preisspanne orientiert, sie hatte von 6,30 bis 8,30 Euro gereicht. Das Interesse von Anlegern, ob privaten oder institutionellen Investoren, hält sich also erst einmal in Grenzen.

Einflussnahme aus China?

Experten an der Mailänder Börse, wo die Pirelli-Aktie nun wieder notiert, verweisen einerseits auf die hohe Verschuldung des Reifenkonzerns, zum anderen aber auch auf den möglichen Einfluss, den der chinesische Besitzer auch nach dem Börsengang auf den Konzern ausüben könnte.

Der Chemieriese ChemChina hatte Pirelli im Jahr 2015 für 7,4 Milliarden Euro übernommen, von der Börse genommen und restrukturiert, sowie das Geschäft mit LKW-Reifen abgespalten; und ChemChina ist nun auch der hauptsächliche Profiteur des Börsengangs: Mit dem IPO sinkt dessen Anteil nun von 65 auf 45 Prozent. Bei einem Börsenwert von 6,5 Milliarden Euro wandern damit rund 1,3 Milliarden Euro direkt in die ChemChina-Kasse.

Alteigentümer machen Kasse

Nutznießer des Börsenganges sind aber auch die anderen Alteigentümer, darunter Pirelli-Chef Marco Trochetti Provera und die Großbanken UniCredit und Intesa. Ihr Anteil von ursprünglich 22 Prozent ist deutlich reduziert. Rund 40 Prozent der Pirelli-Aktien sind nach dem IPO nun im Streubesitz.

Zum Ausgabepreis ist das Unternehmen an der Börse rund 6,5 Milliarden Euro wert. Das Emissionsvolumen lag bei 2,6 Milliarden Euro. Mit 3,4 Milliarden Euro Emissionsvolumen war im laufenden Jahr in Europa nur der Börsengang der Allied Irish Bank noch größer. Die Bank war während der Finanzkrise vom irischen Staat übernommen und von der Börse genommen worden.

Reifen laufen gut

Pirelli könnte sich am Markt für Reifen aber durchaus behaupten. Das Unternehmen ist mit einer operativen Umsatzrendite von 20 Prozent immerhin profitabler als die Konkurrenten Conti und Michelin. Die Italiener haben sich ganz auf das Geschäft mit hochwertigen Reifen für Pkw und Formel-1-Rennwagen spezialisiert und sind derzeit die Nummer fünf weltweit.

AB