Filmstill aus der Serie Breaking Bad

Verstoß gegen Suchtmittelgesetz Pharmakonzerne wie Drogendealer behandelt

Stand: 27.11.2019, 09:25 Uhr

Haben Pharmakonzerne und Arzneimittelgroßhändler mit ihren Schmerzmitteln gegen das Suchtmittelgesetz verstoßen? Das prüfen die US-Justizbehörden. Sie stellen damit Firmen wie Teva und Johnson & Johnson auf eine Stufe mit Drogendealern.

Durch Schmerzmittel sind hunderttausende Amerikaner in die Abhängigkeit geraten. Wegen Überdosierungen sind nach Behördenangaben fast 400.000 Menschen gestorben. Zu den prominentesten Opfern zählt der Sänger Prince, der im April 2016 im Alter von 57 Jahren starb.

Milliarden-Vergleiche

Die Opioid-Krise in den USA hat zu einer Klagewelle gegen Pharmakonzerne und Arzneimittelgroßhändler geführt. Ihnen wird vorgeworfen, mit ihren Produkten den Grundstein für die Schmerzmittel-Epidemie in den USA gelegt zu haben. Bundesstaaten, Städte und Landkreise fordern von den Unternehmen Milliarden von Dollar zurück, die sie für den Kampf gegen Opioid-Abhängigkeit und Überdosierungen ausgegeben haben. Es gibt rund 2.600 anhängige Klagen. Die betroffenen Pharmakonzerne und Arzneimittelgroßhändler streben einen Vergleich in Höhe von 50 Milliarden Dollar an.

Nun droht neuer juristischer Ärger: Strafverfolgungsbehörden Untersuchungen gegen mindestens sechs große Pharmaunternehmen eingeleitet. Es geht um die Frage, ob absichtlich Gemeinden mit frei verkäuflichen, opioidhaltigen Schmerzmittel geflutet worden seien.

Neue strafrechtliche Untersuchung

Die US-Justizbehörden prüfen, ob Hersteller und Händler abhängig machender Opioide gegen das bundesweite Suchtmittelgesetz "Controlled Substances Act" verstoßen haben. Das schrieb das "Wall Street Journal" am Dienstag unter Berufung auf Insider. Die Ermittlung stehe aber noch am Anfang.

Das Gesetz dient eigentlich vor allem der Strafverfolgung von Drogendealern und illegalen Netzwerken zum Handel mit verbotenen Rauschmitteln. Seine Anwendung würde eine Eskalation im Vorgehen gegen Unternehmen bedeuten, die mit Schmerzmitteln zur grassierenden Medikamentenabhängigkeit in den USA beigetragen haben sollen.

Aktien von Teva und McKesson schwer unter Druck

Die Aktien der betroffenen Pharmakonzerne und Arzneimittelhändler Teva, Mallinckrodt, AmerisourceBergen, Amneal, McKesson und Johnson & Johnson, gegen die sich die Ermittlung richten, gerieten teilweise massiv unter Druck. Die Papiere von Teva brachen um über sieben Prozent ein. Die Titel von McKesson verloren 4,4 Prozent, die Aktien von Cardinal Health 3,7 Prozent. Die Papiere von Johnson & Johnson im Dow gaben um 0,9 Prozent nach.

nb