Pfeiffer Vacuum-Chef Manfred Bender

Abrupter Chefwechsel Pfeiffer Vacuum: Ist Busch bald am Ziel?

Stand: 27.11.2017, 15:37 Uhr

In dem seit Monaten tobenden Machtkampf der beiden Pumpenhersteller Busch und Pfeiffer zeichnet sich allmählich ein Sieger ab. Neuestes Opfer ist der seit zehn Jahren amtierende Pfeiffer-Vorstandschef Manfred Bender.

Der Aufsichtsrat habe auf seiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen, Bender "mit sofortiger Wirkung aus wichtigem Grund" abzuberufen, teilte das Unternehmen am Mittag im hessischen Aßlar mit. Details wurden nicht genannt.

Ein Nachfolger ist bereits gefunden und zwar aus dem Unternehmen selbst: Eric Taberlet, Leiter des Geschäftsbereichs Semiconductor & Coating, wird Pfeiffer Vacuum ab sofort führen. Taberlet verfügt über 30 Jahre Erfahrung in der Vakuumindustrie und ist promovierter Strömungstechniker. Für die Finanzen ist ab sofort Nathalie Benedikt zuständig. Beide sind seit vielen Jahren bei Pfeiffer Vacuum beschäftigt.

Führungsmannschaft ausgetauscht

Damit ist innnerhalb weniger Wochen nahezu die komplette Führungsmannschaft von Pfeiffer ausgewechselt worden. Erst zum 25. Oktober hatte der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Michael Oltmanns sein Amt niedergelegt. Auch das langjährige Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Lust musste seinen Posten räumen.

Zustande gekommen sind die Wechsel durch den wachsenden Druck der Busch-Gruppe. Das mit 35 Prozent an Pfeiffer Vacuum beteiligte Familienunternehmen aus dem badischen Maulburg hatte Anfang des Jahres ein Übernahmeangebot für Pfeiffer vorgelegt. Wegen eines technischen Fehlers musste das Gebot zwar zunächst beendet werden, doch bereits Ende März nahm Busch einen zweiten Anlauf.

Busch lässt nicht locker

Die Führung von Pfeiffer Vacuum zeigte sich von den Avancen der Badener wenig begeistert. Auf der Hauptversammlung im Mai ging es zwischen den beiden Firmenvertretern entsprechend hoch her. Doch Busch ließ nicht locker. Anfang August erhöhte die Gruppe den Druck erneut und beantragte die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung mit dem Ziel, den Pfeiffer-Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Oltmanns und das Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Lust abzuberufen.

Busch forderte zudem, dass ein Sonderprüfer das "Verhalten des Vorstands und des Aufsichtsrats“ mit Blick auf die Übernahmeangebote untersucht. Auch sollte der Prüfer die "Beauftragung der Kanzlei Menold Bezler nach dem ersten Übernahmeangebots der Busch-Gruppe sowie den Kauf des US-amerikanischen Unternehmens Nor-Cal Products“ unter die Lupe nehmen. Ob diese Prüfung nun Ungereimtheiten oder gar Fehler ergeben hat, die einen Rauswurf des Pfeiffer-Vorstands rechtfertigen, bleibt unbekannt.

Ayla Busch leitet Pfeiffer-AR

Fakt ist, dass Busch immer mehr an Einfluss bei Pfeiffer gewinnt. So wurde das Familienmitglied Ayla Busch zur Aufsichtsratschefin von Pfeiffer ernannt. Die Busch Gruppe hält nach letztem bekannten Stand gut 35,5 Prozent der Anteile an dem TecDax-Unternehmen. Im ersten Anlauf hatte Busch 96,20 Euro je Aktie geboten. Seither legte der Kurs rasant zu auf mittlerweile 174 Euro. Das Unternehmen profitiert auch vom Halbleiter-Boom, der für eine gute Nachfrage nach Ausrüstung für die Branche sorgt.

lg