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"Corona-Pandemie heißt auch Immobilienkrise" Pfandbriefbank bricht auf Rekordtief ein

Stand: 14.05.2020, 14:12 Uhr

Für die Aktionäre der Deutschen Pfandbriefbank kommt es knüppeldick: Nachdem der Kurs sich bis Mitte März mehr als halbiert hatte, geht es nun noch weiter bergab. Offenbar fürchten die Anleger die gestiegenen Risiken der Immobilienbranche.

Um fast zwölf Prozent auf 5,04 Euro ist der Kurs der Pfandbriefbank (PBB) heute eingebrochen. Damit hat sich die Aktie des einst aus der Skandalbank Hypo Real Estate hervorgegangen Instituts seit dem Jahreshoch im Februar mehr als gedrittelt. Das entspricht einem Verlust von 1,4 Milliarden Euro. Ein Verbleib im MDax könnte damit bei der nächsten Überprüfung der Indexzusammensetzung schwierig werden.

Unmittelbarer Auslöser des Kurseinbruchs heute ist offenbar eine Studie von Metzler-Analyst Jochen Schmitt. Er signalisierte mit einem auf 5,10 Euro gesenkten Kursziel weitere Verlustrisiken. Die PBB habe seiner Einschätzung nach bei schwächerem Geschäft unter steigender Risikovorsorge zu leiden, und nur geringen Spielraum, um beispielsweise über Kostensenkungen gegenzusteuern.

Stark gestiegene Risikovorsorge

Bereits gestern hatte Vorstandschef Andreas Arndt die Investoren verunsichert mit seiner Aussage, Corona-Pandemie bedeute auch Immobilienkrise. Dies hatte auch dazu geführt, dass die Bank bereits Anfang Mai bei der Bekanntgabe der Eckdaten für das erste Quartal - in dem das Nachsteuerergebnis um 95 Prozent auf gerade mal zwei Millionen Euro einbrach - ihr Gewinnziel strich.

Grund war eine auf 34 Millionen Euro gestiegene Vorsorge für faule Kredite. Im Vorjahresquartal waren es gerade mal eine Million Euro. Doch bereits im vergangenen Jahr hatte die PBB die Folgen eines sich eintrübenden Immobilienmarktes zu spüren bekommen. Die Risikovorsorge war unerwartet auf 49 Millionen Euro geklettert. Nun beziffert die Bank allein die Corona-Belastungen auf 45 Millionen Euro - für das erste Quartal.

Derzeit keine Prognose möglich

Eine Prognose für das Neugeschäft wagte der Bankchef wegen anhaltenden Unsicherheit keine. Er geht dabei aber von einer weiter steigenden Marge aus - das sei in Krisenzeiten mit den steigenden Risiken zu erwarten. In den ersten drei Monaten ging das Neugeschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung um rund 300 Millionen Euro auf 1,6 Milliarden Euro zurück.

Vorstandschef Arndt hofft nun auf eine Erholung der Wirtschaft ab dem zweiten Halbjahr sowie einen allmählichen Wiederanstieg der Marktwerte bei den meisten Immobilienarten über die nächsten Jahre. Zudem sei die Bank gut kapitalisiert und verfüge über die nötige Liquidität, um Chancen zu nutzen. Ähnlich hatte sich gestern die Commerzbank geäußert. Bei Neuabschlüssen müssen die Banken aber sehr genau darauf achten, welche Risiken sie eingehen.

Bund hält nur noch wenige Anteile

Die Pfandbriefbank steht unter den Banktiteln aber nicht alleine mit hohen Verlusten da. Auch die Aareal Bank und Commerzbank, die beide jeweils etwas mehr als die Hälfte ihres Werts eingebüßt haben, gehören zu den größten Verlierern im MDax. Und im Dax liegt die Deutsche Bank mit einem Abschlag von rund 35 Prozent in der unteren Hälfte des Leitindex.

Die Deutsche Pfandbriefbank war 2009 aus der verstaatlichten Bank Hypo Real Estate hervorgegangen und wurde im Sommer 2015 an die Börse gebracht. Bis zum Frühjahr 2018 besaß der Bund noch ein Fünftel der Anteile, trennte sich aber inzwischen vom Großteil seiner Aktien. Derzeit hält der Bund noch 3,5 Prozent an der Bank. Einen Teil der Papiere hat die RAG-Stiftung übernommen, die jetzt 4,5 Prozent der Anteile besitzt.

lg