Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg BER

Probleme wegen neuer Messverfahren Wird der Berliner Pannenflughafen zum VW-Parkplatz?

Stand: 22.07.2018, 15:53 Uhr

Die künftig strengeren Abgastests nach dem WLTP-Standard machen VW schwer zu schaffen. Die Wolfsburger müssen ab August vermutlich zahlreiche Fahrzeuge zwischenlagern - möglicherweise auch am Berliner Pannenflughafen.

Es seien offene Flächen und Parkhäuser angemietet worden, um produzierte, aber noch nicht nach dem WLTP-Standard zugelassene Fahrzeuge vorübergehend zu parken, erklärte eine VW-Sprecherin am Wochenende. Die Nutzung des noch nicht eröffneten Berliner Großflughafens BER sei eine Möglichkeit. Allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen.

Freilich sollten die Autos nicht auf dem Flugfeld zwischengelagert werden, vielmehr gehe es um reguläre Flächen in den Parkhäusern, sagte ein Flughafensprecher. Ein Parkhaus sei bereits in Betrieb, von insgesamt 12.000 Stellplätzen seien etwa 10.000 frei. Der BER soll erst 2020 in Betrieb gehen - mit neun Jahren Verspätung.

Zwischenlagerung in Wolfsburg, Hannover und Ingolstadt

Bereits entschieden sei, einzelne noch nicht nach dem neuen Messverfahren zugelassene Fahrzeuge auf dem konzerneigenen Testgelände in Ehra-Lessien bei Wolfsburg vorübergehend zu parken, sagte eine VW-Sprecherin. Außerdem gebe es zusätzliche Flächen im VW-Werk Emden und im Emdener Gewerbepark Frisia. Darüber hinaus stelle VW auf dem Gelände des Flughafens und der Deutschen Messe in Hannover Autos ab. Weitere Flächen gebe es im Werk Ingolstadt und in Frankfurt-Höchst.

VW hatte Anfang Juni mitgeteilt, wegen der Engpässe beim neuen Prüfverfahren könnten voraussichtlich konzernweit bis zu 250.000 Fahrzeuge später als geplant gebaut werden. Das Stammwerk in Wolfsburg wird deshalb im August und September wöchentlich ein oder zwei Tage weniger arbeiten. Auch in den Werken Zwickau und Emden sind Schließtage notwendig. Grund für die Engpässe ist die begrenzte Zahl von Testständen. Diese sind wegen der Software-Updates weitgehend ausgebucht, die die Hersteller auf Diesel-Fahrzeuge aufspielen müssen, um die Stickoxidwerte zu senken.

Durststrecke im zweiten Halbjahr droht

Die mögliche Folge: Nach einem Rekordabsatz in den ersten sechs Monaten erwartet der VW-Konzern im zweiten Halbjahr eine Durststrecke und Auswirkungen auf die Auslieferungen. "Einige Fahrzeuge werden wir vermutlich später als geplant an Kunden übergeben", erklärte Konzern-Vertriebschef Fred Kappler.

Nach den EU-Regeln dürfen Neuwagen ab dem 1. September nur noch verkauft werden, wenn sie den Abgasprüfzyklus nach WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) durchlaufen haben. Damit soll sichergestellt werden, dass Abgastests realitätsnäher sind. Dies ist auch eine Lehre aus den Abgas-Manipulationen bei Dieselfahrzeugen von Volkswagen. Für die Hersteller bedeutet das, dass sie selbst Modelle, die schon auf dem Markt sind, nochmals unter verschärften Bedingungen zertifizieren lassen müssen.

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Keine Änderung der Jahresprognose

VW hatte bereits im März davor gewarnt, dass die Kosten durch den neuen WLTP-Prüfzyklus steigen werden. Zudem schlügen die Investitionen für das Erreichen der CO2-Ziele und der Elektro-Offensive zubuche. Dennoch will die Marke VW die Ertragskraft halten oder sogar ausbauen.

Inzwischen stehen auch andere Hersteller im Verdacht, geschummelt zu haben. Daimler muss Hunderttausende Diesel-Pkw zurückrufen. Die Stuttgarter führen die WLTP-Umstellung zudem als einen von mehreren gewinndämpfenden Faktoren an.

nb

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