Paragon-Chef Klaus Dieter Frers

Auf dem Eigenkapitalforum Paragon-Chef schimpft über Aktionäre

von von Till Bücker

Stand: 28.11.2018, 17:05 Uhr

Der Elektronikhersteller Paragon hat an der Börse schwer zu kämpfen. Vorstandschef Klaus Dieter Frers ist darüber wenig erfreut und erklärt, warum die allgemeine Kaufzurückhaltung aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar ist.

Frers gibt sich selbstbewusst vor den Investoren auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt. Dabei hat die Aktie des Autozulieferers seit Ende Januar über 70 Prozent an Wert verloren. Während der Paragon-Titel im vergangenen Jahr zeitweise fast 90 Euro pro Aktie kostete, pendelt er aktuell bei weniger als einem Drittel des damaligen Höchststandes.

Eigentlich kann das nicht erfreulich sein, zuletzt brach Paragon angesichts des schwierigen Marktumfelds sogar das laufende Angebot für Unternehmensanleihen ab. Die Marktkapitalisierung hat am Mittwoch mit knapp über 100 Millionen Euro exakt den gleichen Wert wie 2015.

Allerdings konnte der Konzern in der gleichen Zeit stark wachsen. Allein in den ersten drei Quartalen 2018 kletterte der Umsatz um 40,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 118,18 Millionen Euro. Wie kommt der Börsenwert also zustande, etwa durch den Abgas-Skandal?

"Markt unterscheidet nicht"

"Wir haben keine Einflüsse durch die Diesel-Affäre", betont Frers. Der Hersteller von Automobilelektronik und Sensoren sei mit seinen spezifischen und eigenständigen Technologien weit weniger konjunkturanfällig als andere Zulieferer und von Skandalen sowie Handelskonflikten so gut wie nicht betroffen. "Leider unterscheidet der Markt aber nicht zwischen unterschiedlichen Branchen." Genau da liege das Problem, meint Frers: "Die negative Bewertung unseres Automobilgeschäfts ist nicht nachvollziehbar."

Der Batterie-Spezialist Voltabox, an dem Paragon mehrheitlich beteiligt ist, ist mittlerweile wesentlich mehr wert an der Börse als der Autozulieferer aus dem ostwestfälischen Delbrück – trotz ebenfalls Kursverlusten von über 50 Prozent in diesem Jahr. Das Eigenkapital von Paragon ist nach eigenen Angaben um rund 55 Millionen Euro höher als die aktuelle Marktkapitalisierung.

Paragon sieht sich auf richtigem Weg

Trotz aller Probleme an der Börse will sich Frers nicht von seinem klaren Kurs abbringen lassen. „Wir sind sehr zufrieden mit unserer Struktur“, sagt der Paragon-Gründer. Das Unternehmen sei auf einem guten Weg hin zu einem System-Hersteller. Jüngst bestätigte der Konzern seine Umsatzprognose für das laufende Jahr. Im Schlussquartal rechnet Paragon mit den für diesen Zeitraum üblichen verstärkten Produktabrufen der Kunden.

Besonders die Erlöse aus den jungen Bereichen Karosserie-Kinematik und Elektromobilität konnten sich fast verdreifachen und machen mittlerweile gut 47 Prozent vom Konzern aus. Auch das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) zog in den ersten neun Monaten um mehr als ein Viertel auf 7,7 Millionen Euro an. Es wird weiterhin von einer Ebit-Marge von acht Prozent ausgegangen.

Strategische Übernahmen

Besonders bei den Luftsensoren in Fahrzeugen sieht sich Paragon als Weltmarkt- und Technologieführer. "Wir sind die Nummer eins, wenn es um die Luft in den Kabinen geht", meint Frers. Nun wollen sie sich noch stärker in den digitalen Teil einbringen.

Dementsprechend war das dritte Quartal von Übernahmen geprägt. Dabei geht Paragon laut Frers mit den Megatrends mit. So übernahm das Unternehmen SemVox als Anbieter von Sprachsteuerung und intelligenten Assistenzsystemen sowie den Lautsprecherhersteller LPG.

Cashflow spiegelt Wachstum wieder

"Von nichts kommt nichts", begründet Frers den sinkenden Cashflow. Dieser reduzierte sich allein im Bereich Investitionen um 32,2 Millionen Euro. Doch Frers interessiert das nicht: "Ich sehe keine Probleme."

Das kann man in der aktuellen Bewertung von Paragon an der Börse wahrlich nicht behaupten. Seine Meinung darüber macht der CEO auf dem Eigenkapitalforum mehr als deutlich.