Palantir IPO

Börsengang mit Fragezeichen Palantir schafft sattes Plus

Stand: 01.10.2020, 09:24 Uhr

Die Aktien der Datenanalysefirma Palantir sind beim Börsengang in New York auf rege Nachfrage von Anlegern gestoßen. Zeitweise schossen sie um 50 Prozent in die Höhe. Doch die Sache hat einen Haken.

Am Ende schloss das Papier bei 9,50 Dollar, ein Plus von gut 31 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 7,25 Dollar. Damit wurde das Unternehmen mit 20,9 Milliarden Dollar bewertet. Im Handelsverlauf kam die für die CIA und andere Geheimdienste arbeitende Datenanalysefirma zeitweise auf einen Börsenwert von fast 22 Milliarden Dollar.

Dabei wählte Palantir bei dem Börsengang den Weg einer Direktplatzierung, bei der keine neuen Aktien ausgegeben werden, sondern in den Handel kommen die Papiere, die bestehende Aktionäre wie der Techmilliardär Peter Thiel verkaufen.

Damit haben die den Börsengang begleitenden Investmentbanken nicht die Möglichkeit, durch ein vorheriges Preisbildungsverfahren das Interesse der Anleger zu testen. Der Startpreis wurde also von der Börse, in diesem Fall der NYSE, festgelegt. Ein solches Verfahren gilt deshalb als riskant, auch wenn es im Vergleich zu herkömmlichen Börsengängen kostengünstiger ist.

Bewertung auf dem Niveau von 2015

Alexander Karp, CEO und Gründer von Palantir

Alexander Karp, CEO und Gründer von Palantir. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

Vor diesem Hintergrund erscheint der gestrige Preissprung weniger beeindruckend. Experten weisen zudem darauf hin, dass der gestern erzielte Marktwert von 20,9 Milliarden Dollar in etwa dem entspricht, was Investoren bereits bei der letzten öffentlich bekannten Finanzierungsrunde vor fünf Jahren geschätzt hatten. Damit ist die Bewertung von Palantir seit 2015 unverändert geblieben.

Schlimmer noch: Laut einem Bericht des "Wall Street Journals" aus dem Jahr 2018 soll die Investmentbank Morgan Stanley den Börsenwert von Palantir damals sogar auf 41 Milliarden Dollar geschätzt haben, also doppelt so viel wie das Unternehmen gestern erzielt hat.

Wieviel Palantir tatsächlich wert ist, wird sich erst in einigen Monaten zeigen. Denn zunächst sind nur maximal 20 Prozent der Aktien direkt handelbar, erst nach sechs Monaten der Rest. Damit dürfte die genauere Bewertung erst in einem halben Jahr feststehen.

Tiefrote Zahlen

Palantir geht davon aus, im laufenden Jahr einen Umsatz zwischen 1,05 Milliarden und 1,06 Milliarden Dollar zu machen, was einem Wachstum von über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Das Unternehmen schreibt aber tiefrote Zahlen, im Geschäftsjahr 2019 fiel ein Verlust von rund 580 Millionen Dollar an.

Die 2004 vom deutschen Milliardär Peter Thiel mitgegründete US-Firma ist spezialisiert auf Datenanalyse und arbeitet viel mit Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten zusammen. Sie gilt als äußerst diskret, weshalb ihr ein geheimnisumwobenes Image anhaftet.

lg