DHL-Mitarbeiter mit Amazon-Paketen
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Gelber Riese in Bedrängnis Kommt diese Erkenntnis für die Deutsche Post zu spät?

Stand: 06.11.2018, 07:50 Uhr

Verluste im Paketgeschäft haben die Deutsche Post im dritten Quartal schwer belastet. Unterm Strich steht jetzt ein Gewinneinbruch – und die Erkenntnis, dass Wachstum nicht alles ist.

"Im Paketgeschäft sind wir in den vergangenen Jahren deutlich schneller gewachsen als der Wettbewerb, alles nach der Devise: 'Wachstum ist super, der Rest wird sich finden'", hatte Post-Chef Appel jüngst in einem Mitarbeiter-Magazin kritisiert.

Tatsächlich war das Paket-Geschäft des Konzerns in den vergangenen Jahren rasant gewachsen – doch der Konzern hatte dabei die Kosten aus den Augen verloren.

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, am Steuer eines elektrisch angetriebenen Paketzustellfahrzeugs

Frank Appel - ein Vorstandsvorsitzender übt sich in Selbstkritik. | Bildquelle: Unternehmen

Nicht ganz so schlimm wie befürchtet

Das spiegelt sich nun auch in den Zahlen zum dritten Quartal überdeutlich wider: Bei einem leicht gestiegenen Umsatz von 14,85 Milliarden Euro brach der operative Ertrag (Ebit) des Bonner Konzerns um 54,9 Prozent auf 376 Millionen Euro ein, wie die Post am Dienstag in Bonn mitteilte.

Der Ebit-Rückgang fiel damit allerdings weniger drastisch aus als von Experten erwartet: Analysten hatten bei einem Umsatz von 14,77 Milliarden Euro mit einem Ebit von nur 339 Millionen Euro gerechnet.

Teures Vorruhestandsprogramm

Unterm Strich brach das Konzernperiodenergebnis um 77,2 Prozent auf 146 Millionen Euro ein. Allein die von Post-Chef Frank Appel eingeleitete Sanierung der Paket- und Briefsparte kostete 392 Millionen Euro. Vor allem ein teures Vorruhestandsprogramm und Investitionen in das Paketnetz trieben die Kosten in die Höhe.

Auch die wachsende Konkurrenz durch den eigenen Lieferdienst von Amazon dürfte die Deutsche Post zu spüren bekommen haben. Allerdings ließen sich die Bonner hier zu keiner Aussage hinreißen.

Ausblick bestätigt

Erst im Juni hatte die Deutsche Post wegen des kriselnden Paketgeschäfts ihre operative Ergebnisprognose um fast ein Viertel auf rund 3,2 Milliarden Euro zusammenstreichen müssen.

Diesen Ausblick bekräftigten die Bonner heute Morgen, ebenso wie das Ziel eines operativen Ergebnisses von über fünf Milliarden Euro im Jahr 2020.

Aktie im Bärenmarkt

Die Aktie der Deutschen Post gehört im laufenden Börsenjahr zu den größten Verlierern im Dax. Seit ihrem Allzeithoch im Dezember bei 41,36 Euro ist die Aktie Gelb um 32,5 Prozent eingebrochen. Sie befindet sich damit offiziell in einem Bärenmarkt.

Auch der im Mai vollzogene Rutsch unter die 200-Tage-Linie verheißt für die mittelfristigen Perspektiven des Bonner Konzerns an der Börse nichts Gutes.

ag