Rote Osram-Schriftzüge

Trüber Jahresbeginn Osram-Bilanz leuchtet ganz in rot

Stand: 07.02.2019, 07:07 Uhr

Osram steckt im wohl größten Umbruch seiner 112-jährigen Geschichte. Die Münchner wandeln sich vom Glühbirnenhersteller zum Hightech-Konzern. Doch der Erfolg der Neuausrichtung lässt auf sich warten. Zum Jahresauftakt rutscht Osram in die roten Zahlen.

Vor knapp zwei Wochen hatte Osram-Chef Olaf Berlien noch Grund zum Strahlen. Feierlich weihte der Konzern die neue Beleuchtung im Vatikan ein. Künftig rücken 100.000 Leuchtdioden von Osram den Petersdom in Rom in besseres Licht.

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Doch die harte Realität hat Berlien schnell wieder eingeholt. Der Start ins neue Geschäftsjahr 2018/19 war noch schlechter als gedacht. In den ersten drei Monaten verzeichnete der MDax-Konzern einen Verlust von 81 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Osram noch einen Gewinn von 60 Millionen Euro erzielt.

Abschreibungen auf das Leuchtengeschäft

Der Umbau machte sich in der Bilanz schmerzlich bemerkbar. Abschreibungen auf das zum Verkauf stehende Leuchtengeschäft belasteten das Ergebnis. Selbst im fortgeführten Geschäft verbuchte Osram mit fünf Millionen Euro einen Fehlbetrag nach Steuern.

Das Unternehmen hatte bereits im Januar vor dunklen Wolken gewarnt. Schwache Geschäfte in der Automobilindustrie sowie bei mobilen Endgeräten sowie die abflauende Konjunkturdynamik in China bremsten die operative Entwicklung. Der Umsatz schrumpfte um rund 15 Prozent.

Osram muss noch mehr sparen

Osram verschärft deswegen sein Sparprogramm. Bis 2020 sollen 160 bis 180 Millionen Euro gespart werden, bislang hatte Osram 130 bis 140 Millionen Euro als Ziel. So will Osram etwa hunderte Stellen am Standort in Regensburg abbauen.

Künftig will sich Osram nun auf LED-Lampen und ganze Lichtlösungen konzentrieren. Berlien will Osram zu einem Photonik-Anbieter machen, also vor allem optische Technologien anbieten, etwa im Bereich Sensorik oder bei der Gesichtserkennung im Mobilfunk tätig sein.

"Wir müssen kämpfen und rennen"

Seine Mitarbeiter hat Berlien auf den Umbau eingestellt und die Order ausgegeben: "Wir müssen kämpfen und rennen." Experten fragen sich, wie lange die Osram-Lichtmacher noch kämpfen müssen, damit die Bilanz wieder in hellerem Licht erstrahlt.

Das schwache erste Quartal macht die Anleger skeptisch. Die Osram-Aktie büßt am Morgen 1,5 Prozent ein. Auf Ein-Jahres-Sicht hat sich der Kurs des Lichtspezialisten nahezu halbiert.

nb