Gelb-rot leuchtender Osram-Schriftzug
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Management spricht sich für Offerte aus Markt zweifelt an Gelingen der Osram-Übernahme

Stand: 05.07.2019, 11:12 Uhr

Und noch ein deutscher Traditionskonzern, der bald verschwinden könnte: Der über 110 Jahre alte Beleuchtungshersteller Osram soll an US-Finanzinvestoren verkauft werden. Vorstand und Aufsichtsrat sprachen sich für die Annahme des Kaufangebots aus. Es gibt aber noch eine Hürde.

Der Lichttechnik-Konzern will sich in die Hände von Finanzinvestoren begeben. Bain Capital und Carlyle bieten 3,4 Milliarden Euro für Osram. Die Aktionäre sollen 35 Euro je Aktie erhalten. Das sind 27,7 Prozent mehr als der gewichtete Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Der Vorstand will auch die von Osram selbst gehaltenen 2,66 Millionen Aktien an die Amerikaner verkaufen.

Die Frist läuft bis Ende September. Als Bedingung der geplanten Übernahme nannten die beiden US-Investoren, dass die Eigentümer von 70 Prozent der Osram-Anteile zustimmen.

"Einmalige Gelegenheit"

"Die Investoren sind der Ansicht, dass der Kurs der Aktie aufgrund der seit November 2018 anhaltenden Übernahmespekulationen künstlich erhöht ist. Sie sind deshalb überzeugt, dass der Angebotspreis von 35,00 Euro – unabhängig von den Herausforderungen des Unternehmens – eine einmalige Gelegenheit für Aktionäre darstellt, eine maximale, sofortige und sichere Wertsteigerung ihrer Osram-Aktien zu erzielen", heißt es in der Mitteilung von Bain und Carlyle.

Aufsichtsrat und Vorstand begrüßen Offerte

"Wir begrüßen das Angebot von Bain und Carlyle und sind überzeugt, dass es sowohl einen fairen Wert für die Aktionäre als auch einen strategischen Mehrwert für unser Unternehmen bietet", erklärte Aufsichtsratschef Peter Bauer nach einer mehrstündigen Sitzung des Gremiums am Donnerstagabend. "Bain und Carlyle sind für Osram die richtigen Partner zur richtigen Zeit", sagte Vorstandschef Olaf Berlien.

Anja Kohl
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Lichtblick für Osram-Anleger

Die beiden Bieter machten umfangreiche Zusagen an das Osram-Management und die Belegschaft. Die zwei US-Firmen sicherten zu, die Standorte "der wesentlichen Unternehmensbereiche" und Arbeitsplätze zu erhalten und Neuinvestitionen zu unterstützen. Betriebsrat und IG Metall hatten schon im Februar langfristige Zusagen eingefordert, um eine Zerschlagung der ehemaligen Siemens-Tochter zu verhindern.

Bain Capital und Carlyle bekennen sich demnach zur bestehenden Strategie mit dem Fokus auf optische Halbleiter, Automobile und digitale Anwendungen. Bei dem von Berlien begonnenen Konzernumbau wollen sie den Angaben zufolge eng mit dem heutigen Vorstand zusammenarbeiten. Osram behalte seinen Sitz in München und die Rechte an seinen Patenten.

Zwei Eigentümerwechsel in 100 Jahren

Möglich wird die geplante Übernahme überhaupt wohl nur, weil Osram inzwischen weniger als halb so viel wert ist wie noch Anfang 2018: Damals kostete eine Aktie noch fast 80 Euro.

Das vor dem Ersten Weltkrieg gegründete Traditionsunternehmen würde damit zum zweiten Mal seine Eigenständigkeit verlieren - in einem Abstand von ziemlich exakt 100 Jahren: 1919 hatte Siemens Osram übernommen und die Zügel bis zum Börsengang 2013 in der Hand behalten.

In den vergangenen sechs Jahren Selbstständigkeit hat Osram sehr schwierige Zeiten durchlaufen. Der technologische Wandel in der Beleuchtungsindustrie hat das Unternehmen hart getroffen. Die Glühbirne, die einst den Werbespruch "Osram - hell wie der lichte Tag" inspirierte, ist längst Geschichte. Der größte Teil des Geschäfts mit traditionellen Leuchtmitteln wurde 2016 an einen chinesischen Konzern verkauft. Osram produziert heute hauptsächlich LEDs und Optoelektronik, Hauptabnehmer sind die Auto- und Elektronikindustrie.

Krise nach der Neuausrichtung

Noch Ende 2017 sah die Zukunft rosig aus. Osram eröffnete 2018 ein großes neues Werk in Malaysia und kündigte eine Ausweitung der Produktion an. Doch dann folgte der Einbruch. Die gleichzeitige Schwächephase von Auto- und Smartphone-Herstellern hat Osram schwer in Mitleidenschaft gezogen, denn beide Branchen sind wichtige Kundengruppen.

Unerwartet brachen 2018 die Umsätze ein, auch dieses Jahr sieht es nicht gut aus: Anfang Mai gab Osram eine Gewinnwarnung heraus und senkte die Prognose für 2019. Der Umsatz könnte demnach um 11 bis 14 Prozent schrumpfen. Zuvor hatten Vorstandschef Olaf Berlien und seine Kollegen noch auf ein Plus von bis zu drei Prozent gehofft.

Wird die Annahmeschwelle erreicht?

B5-Moderator Rigobert Kaiser
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B5 Börse 10.30 Uhr: Zweifel an Osram-Übernahme?

Das Kaufangebot der Finanzinvestoren hat bei Anlegern die Hoffnungen auf Mitnahmegewinne beflügelt. Von Mittwoch- bis Donnerstagnachmittag legte die Osram-Aktie an der Frankfurter Börse um fast vier Euro von gut 29 auf knapp 32,50 Euro zu – ein Plus von mehr als zehn Prozent. Am Freitagvormittag notiert sie 1,9 Prozent höher bei 33,10 Euro.

Dass die Aktie weiter deutlich unter 35 Euro notiert, weist auf erhebliche Zweifel am Markt hin, dass die Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent auch tatsächlich erreicht wird und die Offerte damit Erfolg hat. Bei einem Misserfolg drohen empfindliche Kursverluste.

"Eine Annahmeschwelle von 70 Prozent ist auf den ersten Blick hoch", sagte ein Händler. Rund zwei Drittel der Papiere befänden sich im Streubesitz, die restlichen Anteile lägen bei größeren Investoren wie der Allianz, Goldman Sachs, der DWS und Blackrock. Wie sich die Großaktionäre verhalten, ist noch unklar.

nb/la