Nächtlich beleuchtete Osram-Zentrale in München
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Erneut Prognose gesenkt Osram macht's noch mal

Stand: 28.06.2018, 16:22 Uhr

Für die leidgeplagten Aktionäre von Osram kommt es knüppeldick: Wegen des Umbruchs in der Autoindustrie muss der Konzern zum zweiten Mal seit April seinen Jahresausblick senken. Die Aktie bricht um mehr als 20 Prozent ein - und belastet die ganze Branche.

Für das Geschäftsjahr 2018 erwartet der Vorstand jetzt nur noch ein Umsatzplus zwischen einem und drei Prozent statt wie zuletzt zwischen drei und fünf Prozent. "Handels- und Vertriebsbeschränkungen sowie Planungsrisiken bei Automobilherstellern haben zu einer spürbaren Verunsicherung geführt", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Gleichzeitig soll das bereinigte Ebitda zwischen 570 und 600 Millionen Euro betragen. Bislang waren rund 640 Millionen Euro angekündigt, nach 695 Millionen Euro im Geschäftsjahr zuvor. Unter dem Strich soll mit 1,00 bis 1,20 Euro Gewinn je Aktie nur noch rund die Hälfte des bisher anvisierten Überschusses (1,90 bis 2,10 Euro) hängen bleiben.

Olaf Berlien, designierter Osram-CEO

Olaf Berlien. | Bildquelle: Unternehmen

Vorstandschef Olaf Berlien verwies in einer Telefonkonferenz mit Analysten auf die Probleme der Autoindustrie mit dem ab 1. September gültigen Abgastestverfahren WLTP. Das habe in der gesamten Branche zu Unsicherheit geführt. Osram macht rund die Hälfte seines Geschäfts mit der Fahrzeugindustrie.

Auch Mobilfunker bestellen weniger

Als weiteren Grund für die erneute Prognosesenkung nannte der Konzern Projektverschiebungen bei Kunden aus der Mobilfunkbranche und Gewächshausbeleuchtung. Die Realisierung sei jetzt für das Geschäftsjahr 2019 geplant.

Die langfristigen positiven Trends blieben aber bestehen, sagte Berlien, die Probleme seien vorübergehend. Die verkauften Teile pro Auto und pro Smartphone sorgten weiter für strukturelles Wachstum.

Sparkurs beschleunigen

Osram hatte bereits im April niedrigere Gewinn- und Umsatzziele ausgegeben; damals machte vor allem der schwache Dollar den Bayern einen Strich durch die Rechnung. Osram kündigte an, den Sparkurs zu beschleunigen.

Dazu gehöre "eine spürbare Reduzierung" der Verwaltungskosten und ein Umbau der Werkslandschaft. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern laufen. Details sollen zu einem späteren Zeitraum bekannt gegeben werden. Osram hatte im vergangenen Jahr angekündigt, rund 600 bis 700 Arbeitsplätze zu streichen.

Aktie bricht zweistellig ein

Dieser Personalabbau wird das Unternehmen in den kommenden Monaten finanziell belasten. Der "geordnete Umbau der Beschäftigungsstruktur an den deutschen Standorten und in den indirekten Funktionen" könnte rund 60 bis 70 Millionen Euro vor Steuern kosten, hatte Osram im April angekündigt. Dazu könnten jetzt im Zuge weiterer Stellenstreichungen zusätzliche Ausgaben kommen.

Jetzt will der Konzern beim Einkauf stärker sparen und gleichzeitig die Effizienz in Forschung und Entwicklung steigern; entsprechende Maßnahmen würden derzeit vorbereitet, hieß es in der Mitteilung weiter.

An der Börse reagierten die Anleger entsprechend entsetzt. Die im MDax notierte Aktie verliert zuletzt über 21 Prozent. Damit hat das Papier seit dem Hoch im Januar bei 79 Euro mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Damit wurden 3,9 Milliarden Euro vernichtet.

Aber auch die Titel der gesamten Branche, sowohl Zulieferer- als auch Autoaktien, werden heute in Mitleidenschaft gezogen.

lg