Gelb-rot leuchtender Osram-Schriftzug
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Siemens verkauft seine Anteile Osram jetzt allein zu Haus

Stand: 05.10.2017, 07:42 Uhr

Nach dem Streit zwischen Osram-Chef Olaf Berlien und Siemens-Lenker Joe Kaeser auf der letzten Hauptversammlung war eine endgültige Trennung der beiden Firmen nur noch eine Frage der Zeit. Jetzt ist sie gekommen.

Vier Jahre nach der Abspaltung von Osram hat sich Siemens vom Großteil seiner restlichen Beteiligung an dem traditionsreichen Leuchtenhersteller getrennt. Über Nacht wurden 18,15 Millionen Osram-Aktien an große Investoren verkauft, wie der Münchener Konzern mitteilte. Mit 65,05 Euro lag der Verkaufspreis rund drei Prozent unter dem Schlusskurs des Xetra-Handels. Die Osram-aktie verliert im morgendlichen Handel 3,8 Prozent. "Das ist der richtige Zeitpunkt dafür. Osram steht jetzt auf eigenen Füßen", erklärte ein Siemens-Sprecher.

Siemens erzielte dadurch einen Bruttoerlös von 1,2 Milliarden Euro. Als strategisch galt die Beteiligung an der ehemaligen Tochter längst nicht mehr. Den größten Teil seiner Osram-Aktien hatte Siemens 2013 den eigenen Aktionären ins Depot gebucht und die Tochter damit an die Börse gebracht.

Chinesen haben Interesse angemeldet

Zuletzt hielt Siemens noch rund 17,5 Prozent an Osram. Der chinesische Halbleiterkonzern San'an Optoelectronics hatte laut Insidern Interesse an dem Aktienpaket angemeldet, war dabei aber auf Widerstand bei den Arbeitnehmervertretern von Osram gestoßen.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
111,04
Differenz relativ
+0,73%

Einem Insider zufolge streben die mit dem Verkauf des Pakets am Markt beauftragten Investmentbanken Deutsche Bank und Citi einen Preis an, der maximal drei Prozent unter dem Schlusskurs liegt. Im Späthandel hielten sich die Kursverluste von Osram mit 1,5 Prozent in Grenzen. Die Platzierung dürfte noch am Abend abgeschlossen werden. Einige Osram-Papiere muss Siemens aber behalten, um eine Optionsanleihe bedienen zu können, die erst 2019 ausläuft.

Streit über die Strategie

Im vergangenen Jahr hatten sich Osram-Chef Olaf Berlien und Siemens-Lenker Joe Kaeser über die Strategie zerstritten. Auf der Hauptversammlung verweigerte der Großaktionär Berlien die Entlastung, nachdem dieser verkündet hatte, Osram auf LED-Chips zu fokussieren und das traditionelle Lampengeschäft zum Verkauf stellte.

Siemens hielt das für zu riskant. Trotzdem dankte Osram dem scheidenden Großaktionär in einer knappen Mitteilung "für die Begleitung und die Rolle als Ankeraktionär in der Zeit seit dem Börsengang und während unserer Transformation zum Hightech-Unternehmen". Seit dem Börsengang vor vier Jahren hat sich der Kurs der Osram-Aktie fast verdreifacht.

rtr