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Zehn Prozent Aufschlag Osram: AMS will Finanzinvestoren Geschäft vermasseln

Stand: 12.08.2019, 18:05 Uhr

Der österreichische Sensor-Chip-Hersteller AMS bietet für Osram mehr als die beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle. Die Anleger dürfen jetzt auf einen Bieterkampf hoffen.

AMS möchte die Finanzinvestoren ausstechen und den angeschlagenen Münchner Lichttechnik-Konzern Osram für bis zu 4,3 Milliarden Euro übernehmen. Das Unternehmen aus Premstätten bei Graz stellte am Sonntagabend ein Kaufangebot über 38,50 Euro je Aktie für Osram in Aussicht. Das wären zehn Prozent mehr als die laufende Offerte von Bain und Carlyle, hinter die sich auch der Osram-Vorstand um Olaf Berlien gestellt hatte.

An ihm hängt es, ob AMS überhaupt zum Zug kommen kann. Denn dazu müsste er ein Stillhalteabkommen aufheben, das die Österreicher für einen Blick in die Bücher vereinbart hatten und das ihnen eigentlich für zwölf Monate ein Angebot verbietet.

Nach Börsenschluss bestätigte Osram, dass man in Verhandlungen mit AMS eintreten werde. Osram bezeichnete das vorgelegte Finanzkonzept verbindlich und tragfähig. Die im MDax notiert Aktie stieg um 10,43 Prozent auf 34,95 Euro und lag damit an der Indexspitze. Im Späthandel der Frankfurter Börse legt die Aktie weiter zu.

Finanzierung scheint zu stehen

AMS wollte bis zum Donnerstag eine Antwort aus München haben. Die Österreicher hatten schon Anfang Juli öffentlich Interesse an Osram bekundet, dann aber vorläufig einen Rückzieher gemacht, wohl weil die Finanzierung nicht stand. Nun wollen die Banken HSBC und UBS 4,2 Milliarden Euro finanzieren, einen Teil davon will AMS später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird.

AMS-Chef Alexander Everke, ein ehemaliger Siemens-Manager, warb um Berliens Zustimmung: "Gemeinsam können wir uns mit unseren erstklassigen Mitarbeitern, Produkten und Technologien als ein weltweit führender Anbieter von Sensorlösungen und Photonik etablieren und unseren Kunden erhebliche Vorteile bieten."

Olaf Berlien, designierter Osram-CEO

Olaf Berlien, CEO Osram. | Bildquelle: Unternehmen

Einsparungen erhofft

AMS erhofft sich von der Übernahme Einsparungen von 240 Millionen Euro im Jahr. "Wir verfolgen einen langfristigen Plan, der auf weiteren Investitionen und Wachstum basiert und den wir aus einer Position der Stärke heraus umsetzen können." Analysten machen sich seit längerem über die zu starke Abhängigkeit von AMS vom Großkunden Apple Sorgen. Zusammen mit Osram wäre die Autoindustrie mit 45 Prozent größter Umsatzbringer von AMS.

Der Chip-Hersteller interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Nach einer Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von "Front-End-LEDs" dort gebündelt wird. Ähnlich wie Bain und Carlyle sei auch AMS zu Standort- und Beschäftigungsgarantien bereit, hieß es in der Mitteilung. Am Osram-Sitz in München sollten "wichtige Funktionen" erhalten bleiben.

Das Digital-Geschäft und das Verbraucher-Geschäft mit LED-Lampen soll nach den Vorstellungen von AMS aber verkauft werden. Bedingung für die Übernahme ist - wie bei Bain und Carlyle -, dass mindestens 70 Prozent der Osram-Aktionäre ihre Papiere verkaufen.

Preis zu niedrig?

Am vergangenen Freitag hatte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ein Übernahmeangebot der US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle abgelehnt. Die Interessenvertretung der Kleinaktionäre hält den gebotenen Preis von 35 Euro je Aktie für zu niedrig: "Der Barabfindungspreis ist aus Sicht der SdK jedoch nicht angemessen", hieß es in der Stellungnahme.

In der vergangenen Woche hatte es bereits Medienberichte gegeben, wonach der größte Einzelaktionär, die Allianz Global Investors, plane, das Angebot der Finanzinvestoren abzulehnen.

ts/rtr/dpa