Osram Zentrale im Dämmerlicht
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Allianz GI erwägt ein "Nein" Osram-Aktionär will mehr Geld

Stand: 08.08.2019, 13:47 Uhr

Die Übernahme des angeschlagenen Lichtkonzerns Osram durch die Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle könnte platzen. Der größte Einzelaktionär, die Allianz Global Investors, plant das Angebot abzulehnen. Die Osram-Aktie knickt ein.

Mit einem Abschlag von über sieben Prozent auf etwas mehr als 31 Euro belegt das Papier den letzten Platz im MDax. Gestern hatte der größte Osram-Aktionär Allianz Global Investors (AGI) - das ist die Kapitalanlagegesellschaft der Allianz - mitgeteilt, das Übernahmeangebot der zwei US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ablehnen zu wollen.

Allianz GI finde es bedauerlich, dass das Osram-Management nicht ausreichend Vertrauen in das eigene Geschäft habe und sich zu einem Verkauf entschlossen habe. Die Finanzinvestoren haben sich bislang nicht dazu geäußert.  

Höheres Gebot unwahrscheinlich

Die US-Unternehmen bieten 35 Euro je Aktie. Dies entspricht einem Aufschlag von 27,7 Prozent zum durchschnittlichen Börsenkurs des letzten Monats vor dem 3. Juli. An diesem Tag hatte Osram verkündet, dass dem Konzern ein Gebot von Bain Capital und Carlyle vorliege. AGI ist das zu wenig.

Ein Händler hielt eine deutliche Erhöhung des Gebots für unwahrscheinlich. Die Kritik von Allianz Global Investors an einem zu niedrigen Angebot beruhe vermutlich auf dem hohen Einstiegskurs des Investors, meint der Marktteilnehmer.

Olaf Berlien, designierter Osram-CEO

Olaf Berlien, CEO von Osram: Nicht ausreichend Vertrauen in das eigene Geschäft?. | Bildquelle: Unternehmen

Verluste realisieren oder weiterkämpfen?

Das leuchtet unmittelbar ein, denn AGI hatte 2017 fünf Prozent an dem Münchner Unternehmen gekauft. Damals notierten die Papiere bei 67 Euro. Als der Vermögensverwalter im vergangenen Jahr seine Bestände aufstockte, lag der Kurs bei etwa 40 Euro. Ein Verkauf für 35 Euro je Aktie wäre also ein ziemliches Verlustgeschäft. Allianz GI hält an Osram insgesamt etwas mehr als neun Prozent.

In einer aktuellen Studie hat die Commerzbank das Kursziel für die Aktie des Lichttechnik-Unternehmens von 34 auf 32 Euro gesenkt. Der Widerstand des größten Osram-Einzelaktionärs Allianz Global Investors gegen das Übernahmeangebot zeige, dass der Weg bis zu einem Deal kein Spaziergang werde, stellt Analyst Sebastian Growe fest.

Osram in der Krise

Die Annahmefrist läuft noch bis zum 5. September. Bis Anfang dieser Woche hatten lediglich 0,9 Prozent der Aktionäre zugestimmt, wie aus einer Pflichtmitteilung auf der Webseite der Investoren hervorgeht. Der Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat unterstützen die Übernahmeofferte. Wenn nicht mindestens 70 Prozent der Aktionäre zustimmen, wollen die Finanzinvestoren die Übernahme abblasen. Allerdings entscheidet sich bei Übernahmen häufig erst kurz vor Ende der Frist, ob diese gelingen oder scheitern.

Osram ist in Schwierigkeiten, weil die Verkaufszahlen der zwei Hauptkundengruppen Autoindustrie und Smartphonehersteller sinken - und damit auch der Bedarf an Auto- und Displaybeleuchtung. Das Münchner Traditionsunternehmen schreibt seit drei Quartalen Verluste.

ts