Osram Zentrale im Dämmerlicht
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Finanzinvestoren wollen einsteigen Osram: Übernahmeangebot wird konkret

Stand: 04.07.2019, 20:36 Uhr

Bereits im Februar hatte das MDax-Unternehmen Gespräche mit Bain und Carlyle bestätigt. Allerdings waren zuletzt Zweifel aufgekommen, ob es tatsächlich zu einer Übernahme kommt. Nun steht der Kauf kurz bevor.

Der kriselnde Lichttechnik-Konzern bestätigte am Mittwochabend, dass die Carlyle und Bain Capital nach monatelangen Verhandlungen ein verbindliches Kaufangebot abgegeben haben. Sie wollen das Münchner Traditionsunternehmen für 3,4 Milliarden Euro schlucken und bieten den Aktionären 35 Euro je Aktie, wie Osram mitteilte.

"Über dieses Angebot werden die zuständigen Gremien in Kürze beraten und beschließen." Der Aufsichtsrat tritt Insidern zufolge am Donnerstagabend zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Das trieb die gebeutelte Aktie gestern um gut elf Prozent auf 32 Euro nach oben. Am Donnerstag legten die Titel weiter zu, im späten Handel bauten sie die Kursgewinne aus. Angeblich will der Aufsichtsrat dem Deal zustimmen, hieß es aus Insiderkreisen.

Hängepartie geht zu Ende

Mit dem Beschluss des Aufsichtsrats geht eine Hängepartie zu Ende, die die Mitarbeiter belastet hatte. Osram-Chef Olaf Berlien hatte bereits im Februar Gespräche mit Bain und Carlyle bestätigt. Doch die eingehende Buchprüfung, die einem Angebot vorausgeht, zog sich länger als erwartet hin.

Historische Osram-Werbung von 1920

Historische Osram-Werbung von 1920. | Bildquelle: picture alliance / akg-images

Erst in den vergangenen Tagen hatten sich die beiden Investoren die notwendigen Kredite gesichert, sagten mehrere Insider. Berichte, wonach die Banken angesichts der Geschäftslage damit zögerten, günstige Konditionen zu gewähren, hatten für Verunsicherung gesorgt. Während der Verhandlungen war die Osram-Aktie immer weiter abgebröckelt, vor allem weil sich die Aussichten für das stark von der Autoindustrie abhängige Unternehmen stärker eintrübten als der Vorstand gedacht hatte.

Drastischer Umsatz- und Gewinneinbruch erwartet

Lag das Papier im Februar noch bei fast 42 Euro, fiel es Anfang Juni auf ein Jahrestief von 24,60 Euro. Berlien erwartet für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 (Ende September) einen drastischen Umsatz- und Gewinnrückgang. Der Umsatz, der eigentlich um drei Prozent zulegen sollte, werde um bis zu 14 Prozent unter Vorjahr liegen.

Der Konzern, der 2013 von Siemens abgespalten worden war, hatte 2017/18 mit 26.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. Berlien hat bereits ein Sparprogramm aufgelegt. Er kann darauf hoffen, dass die Finanzinvestoren sein Bestreben, Osram vom klassischen Lampen- und Beleuchtungshersteller zum Spezialisten für Leuchtdioden, optische Halbleiter und andere technische Anwendungen umzubauen, noch forcieren.

Defizitäres Geschäft abgegeben

Erst in der vergangenen Woche hatte Osram sein lange defizitäres Geschäft mit Büro-, Straßen- und Stadion-Beleuchtung an einen Investor abgegeben. Insidern zufolge hatte die Bereitschaft zu einem Verkauf des Konzern an Bain und Carlyle auch das Interesse anderer Bieter geweckt. Darunter sei der österreichische Halbleiterkonzern AMS gewesen, der auch Sensoren für die Autoindustrie herstellt. Zu einer Offerte sei es aber nicht gekommen.

lg/nb/ rtr