Firmensitz des amerikanischen Software-Unternehmens Oracle im
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Gutes Quartal, mieser Ausblick Was versteckt Oracle in der Cloud?

Stand: 20.06.2018, 08:40 Uhr

Der SAP-Konkurrent Oracle hat im vergangenen Geschäftsquartal dank boomender Cloud-Dienste prächtig verdient. Doch der Ausblick sorgt bei den Anlegern für Unmut.

Für das derzeit laufende erste Geschäftsquartal erwartet der Softwarekonzern einen Gewinn je Aktie zwischen 68 und 70 Dollar-Cent. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit 72 Cent gerechnet. Ein Sprecher machte den zuletzt angestiegenen Dollar für die schlechtere Prognose verantwortlich.

Die Oracle-Aktie legte im nachbörslichen Wall-Street-Handel zunächst um 3,7 Prozent zu, drehte dann jedoch ins Minus und fiel um fast fünf Prozent. Für Unmut unter Investoren sorgte auch, dass Oracle nicht mehr die Ergebnisse einzelner Segmente seines Cloud-Geschäfts separat auflistet. Dies habe die eigentlich guten Ergebnisse des vierten Quartals überschattet, sagte der Portfolio-Manager David Morgan von Synovus Trust. "Die Investoren fragen sich, ob Oracle versucht, etwas im Cloud-Gesamtumsatz zu verstecken."

Besser als erwartet

Dabei hat gerade das starke Cloud-Geschäft Oracle im abgelaufenen Quartal zu einem besseren Ergebnis als erwartet verholfen: Der Nettogewinn stieg um 5,5 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar, der Umsatz kletterte um 3,3 Prozent auf 11,25 Milliarden. Der Konzern profitierte nach eigenen Angaben davon, dass mehr Kunden von traditionellen Software-Installationen auf die Cloud-Dienste umgestiegen seien. Einbußen verzeichnete Oracle dagegen im traditionellen Kerngeschäft mit Software-Lizenzen und die Hardware-Erlöse stagnierten.

Oracle ist vergleichsweise spät in das Geschäft mit Daten und Anwendungen im Internet eingestiegen und versucht nun zu Rivalen wie Amazon, Microsoft und Salesforce aufzuschließen. Allerdings hatte Oracle bereits im März für Enttäuschung gesorgt, nachdem die Zahlen für das Geschäftsquartal bis Ende Februar hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurückgeblieben waren. Damals war Oracle auch noch von der US-Steuerreform belastet worden.

In der Wolke

Bei Cloud-Produkten laufen Softwareprogramme nicht auf dem eigenen PC oder Laptop, sondern werden übers Internet abgerufen. Bezahlt wird meist über eine regelmäßige Abo-Gebühr, weshalb man auch von Mietsoftware spricht.

Aktie fällt hinter SAP zurück

Für die Anleger hinterlässt die erste Jahreshälfte 2018 einen bitteren Beigeschmack, hat sich die Aktie doch von den Rückschlägen im Frühjahr nicht wieder erholt. Am Abend fiel sie sogar wieder auf das Niveau von Anfang Januar zurück. Dagegen eilen die Papiere des deutschen Rivalen SAP von Rekord zu Rekord, obwohl sie im März ebenfalls einen Rückschlag hinnehmen mussten. Doch im Gegensatz zu Oracle hat sich der Kurs der SAP-Aktien seitdem um fast 20 Prozent verteuert.

lg/rtr