OPEC-Gebäude in Wien

Verhandlungen gescheitert Russland macht der Opec Kummer

Stand: 06.03.2020, 19:38 Uhr

Die Förderung des Öl-Kartells Opec und der Partnerländer soll eigentlich für einen ungewöhnlich langen Zeitraum deutlich reduziert werden. Doch Russland sperrt sich und lässt die Verhandlungen platzen. Die Ölpreise brechen ein.

Um bis zu zehn Prozent in Richtung 45 Dollar je Barrel (159 Liter) ging es am Ölmarkt am Freitagabend mit den Preisen für die führende Nordseesorte Brent bergab. Auch die US-Leichtölsorte WTI verlor deutlich an Boden.

Grund für die dramatischen Verluste: Die Verhandlungen zwischen dem Erdölkartell Opec und dem Nicht-Opec-Mitglied Russland über eine weitergehenden Kürzung der Fördermenge über bereits bestehende Vereinbarungen hinaus sind gescheitert.

Die Regierung in Moskau signalisierte lediglich Bereitschaft, die bereits vereinbarte Drosselung um 2,1 Millionen Barrel bis Jahresende zu verlängern. Darüber hinaus wollte die Opec weitere 1,5 Millionen Tonnen vom Markt nehmen. Mit der Ablehnung haben sich Gerüchte bestätigt, die schon im Tagesverlauf die Runde gemacht und den Ölpreis unter Druck gesetzt hatten.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
37,43
Differenz relativ
-0,61%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
35,59
Differenz relativ
-1,82%

Russland zieht nicht mit

Denn das Kartell hat die Rechnung ohne den Wirt, sprich Russland gemacht. "Ab 1. April wird es weder für die Opec, noch für Nicht-Opec-Staaten Begrenzungen geben", sagte der russische Energieminister Alexander Nowak nach einer Marathonsitzung am Sitz der Organisation Erdölexportierender Länder.

"Das war eines der schlimmsten Treffen in der Geschichte der Opec, das ich je erlebt habe", sagte Irans Ölminister Bidschan Sanganeh. Sechs Stunden lang sei verhandelt worden. Doch Russland und Saudi-Arabien hätten sich nicht einigen können. Er schloss gleichwohl nicht aus, dass vor April womöglich doch noch eine Übereinkunft erzielt werden könne.

Experten zeigten sich schockiert vom Scheitern der Gespräche. Analyst Björnar Tonhaugen von Rystad Energy etwa sprach von einer unerwarteten Entwicklung. "Das wird eine der ernsthaftesten Ölpreis-Krisen in der Geschichte auslösen." Unter dem Druck der Coronavirus-Epidemie hat sich Erdöl seit Jahresanfang um mehr als ein Viertel verbilligt. Das macht vor allem den Opec-Ländern zu schaffen.

Russland dagegen gab an, mit dem derzeitigen Preisniveau leben zu können. Der Ausbruch des Coronavirus drückt auf die Ölnachfrage, weil Flüge gestrichen und Reisen abgesagt wurden, um eine weitere Verbreitung des Erregers zu verhindern und ein Einbruch der Weltkonjunktur befürchtet wird.

Ringen um die Förderhoheit

Bereits vor der Weigerung Russlands hatte die Reaktion der Ölmärkte gezeigt, dass auch die neuen Maßnahmen wohl das Problem der weltweiten Überproduktion nicht lösen werden. Denn jenseits der kurzfristigen Schwächung der Ölpreise durch das Coronavirus lastet auch ein struktureller und damit langfristig negativer Effekt auf dem "schwarzen Gold": Die USA haben dank des Fracking-Booms beim Schieferöl Saudi-Arabien als bisher weltgrößten Ölproduzenten überholt.

Dem Ölkartell Opec dürfte es in Zukunft selbst bei einem wieder steigenden Ölverbrauch immer schwerer fallen, die Hoheit über den Ölmarkt zu behalten. Und die USA haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie ihre Energieproduktion immer weiter steigern können - sofern die Ölpreise über ihren Förderkosten liegen.

ME/rm/rtr