OHB-Animation eines geostationären Kommunikationssatelliten

Raumfahrtkonferenz in Sevilla OHB wehrt wohl bald Asteroiden ab

Stand: 27.11.2019, 17:05 Uhr

Die Aktie von OHB geht derzeit ab wie eine Rakete. Das Raumfahrt-Unternehmen greift nach den Sternen. Bei der heute beginnenden Esa-Raumfahrtkonferenz Space19+ winkt den Bremern ein wichtiger Auftrag.

In Sevilla werden am Mittwoch und Donnerstag die Weichen für die Zukunft der europäischen Raumfahrt gestellt. Minister und andere Vertreter der 22 Mitgliedsländer der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) kommen dort zusammen, um über verschiedene Programme und deren Finanzierung in den nächsten drei bis fünf Jahren zu verhandeln und zu entscheiden.

Die Esa strebt für die nächsten drei Jahre eine Erhöhung des Budgets um rund zehn Prozent an. Bisher verfügt die Europäische Weltraumorganisation über einen Gesamtetat von 5,72 Milliarden Euro, der zu 73 Prozent von den Mitgliedsländern finanziert wird.

Wettlauf um Milliarden-Gelder

Es geht also um über 15 Milliarden Euro, die in den nächsten drei Jahren ausgegeben werden. Zu den wichtigsten Projekten zählen die neue europäische Trägerrakete Ariane 6, die Erkundung des Weltraums und die Weltraumsicherheit, die vom Weltraummüll bis zur Asteroidenabwehr reicht.

Bei der OHB hofft man vor allem auf die Asteroiden-Mission Hera. Sollten die Minister und Politiker grünes Licht für die Finanzierung von Hera geben, werden die Bremer voraussichtlich die Sonde dafür bauen. Für die Esa hat OHB bereits eine Studie erstellt.

OHB hofft auf die Mission Hera

"Die Bedrohung durch die Asteroiden wird von der Öffentlichkeit immer noch deutlich unterschätzt", sagt OHB-Chef Fuchs, der seit gut 20 Jahren in der Raumfahrtindustrie mitmischt. Es sei wichtig, "eine Technologie zur Verfügung zu stellen, die eine wirksame Abwehr einer solchen Bedrohung darstellt", findet Fuchs. Die Gefahr ist durchaus real: Kurz vor Weihnachten 2018 war ein größerer Asteroid über der Beringsee zwischen Russland und den USA explodiert.

Bei der Mission Hera wollen Wissenschaftler erforschen, wie sich Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde auf eine neue Bahn lenken lassen. Der OHB-Chef ist sicher, dass seine Firma den Zuschlag erhält.

Der Griff zum Mond

Auch für andere Projekte hat sich OHB beworben. Das wichtigste deutsche Raumfahrtunternehmen hofft vor allem auf die Rückkehr zum Mond. So wird in Sevilla ein wichtiges Thema die Beteiligung der Europäer am "Artemis"-Programm der US-Raumfahrtagentur Nasa sein. 2024 sollen nach den Plänen von US-Präsident Donald Trump wieder US-Astronauten auf dem Mond landen.

Die Esa soll ein Servicemodul beisteuern, das die Raumkapsel Orion antreiben soll. Die Hälfte der Orion wird von Airbus in Bremen gebaut. Auch die OHB will zum Mond – im Rahmen des Nasa-Projekts.

Die Bremer unterstützen Israel bei ihren Mond-Plänen für 2021. OHB hilft der Israel Aerospace Industries bei der Weiterentwicklung einer Mondfähre. Die erste Mission Israels zum Erdtrabanten war gescheitert, weil die bisherige Beresheet-Fähre auf dem Mond zerschellte.

Kooperation mit Jeff Bezos

OHB arbeitet auch mit der US-Firma Blue Origin von Jeff Bezos zusammen – unter anderem als Zulieferer für die Mondlandefähre Blue Moon. "Ich erwarte, dass das ein Erfolg wird", sagte kürzlich OHB-Chef Fuchs.

Auch wenn Fuchs nun in das Raketengeschäft eingestiegen ist, will er nicht mit Elon Musks SpaceX konkurrieren. "Seine Raketen sind viel größer. Das ist eine völlig andere Liga."

Aktie fast auf Zwei-Jahres-Hoch

Die Aussicht auf neue Aufträge in Sevilla und ein anziehendes Raumfahrtgeschäft katapultiert die OHB-Aktie immer weiter nach oben. In den letzten vier Wochen hat sie gut 27 Prozent gewonnen. Mit 42,60 Euro notierte sie jüngst auf dem höchsten Stand seit Anfang 2018.

nb