Norwegische Flagge

Zu volatil Norwegens Staatsfonds will weniger Öl im Depot

Stand: 11.03.2019, 10:59 Uhr

Norwegens staatlicher Pensionsfonds stößt viele seiner Öl- und Gasanteile ab. Klima-Aktivisten hatten die am Freitag verkündete Entscheidung der norwegischen Regierung mit Spannung erwartet. Mit der Erderwärmung oder dem Umweltschutz hat sie aber nichts zu tun.

Der größte Staatsfonds der Welt will sich damit vor den Schwankungen des volatilen Rohstoffmarkts schützen. Die Entscheidung könnte in der Ölindustrie 134 Unternehmen betreffen, die Rohöl fördern und produzieren. Der Wert der gehaltenen Anteile beläuft sich auf 7,5 Milliarden Dollar.

Statoil-Ölbohrinsel Sleipner nahe Norwegen

Statoil-Ölbohrinsel. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Das Ziel ist es, unser gemeinsames Vermögen weniger anfällig für einen dauerhaften Sturz der Ölpreise zu machen", sagte Norwegens Finanzministerin Siv Jensen. Die Maßnahme sei aber kein Ausdruck mangelnden Vertrauens in die Zukunft des Ölsektors.

Öl macht 20 Prozent der Staatseinnahmen aus

Eine solche Aussage wäre auch mehr als überraschend, ist doch Norwegen der größte Förderer von Öl und Gas in Westeuropa. Die fossilen Energieträger machen fast die Hälfte der Exporte des Landes und 20 Prozent der Staatseinnahmen aus. Seit den Neunzigerjahren legt der Staatsfonds einen Teil der Öl-Einnahmen für künftige Generationen an. 2017 erreichte der Fonds erstmals den Wert von einer Billion Dollar; die starken Schwankungen an den Finanzmärkten bescherten ihm 2018 allerdings große Verluste von 50 Milliarden Euro.

Nicht von der neuen Regelung betroffen sind Aktien der Ölkonzerne Shell, BP, Total und ExxonMobil, an denen der Fonds ebenfalls beteiligt ist. Der Gesamtwert aller Öl-Anteile des Staatsfonds betrug Ende vergangenen Jahres 37 Milliarden Dollar.

Bereits aus der Kohle zurückgezogen

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Klima-Aktivisten begrüßten Norwegens Schritt. Die Entscheidung werde "eine Schockwelle durch den Markt senden", sagte Yossi Cadan von der Klimaschutz-Organisation 350.org. Der Öl-Ausstieg rüttle an der Illusion, das Geschäft mit fossilen Energieträgern könne noch für Jahrzehnte überleben.  

Zuvor hatte sich das skandinavische Land bereits aus der Kohle-Industrie zurückgezogen und Leitlinien erlassen, wonach das Geld nicht in Unternehmen fließen darf, die Atomwaffen oder Tabakprodukte herstellen, die Menschenrechte verletzen oder Kinderarbeit ausnutzen.  Umweltschützer erhoffen sich, dass Norwegen nun eine Vorbildfunktion für andere Investoren einnimmt. Denn diese beobachten die Positionen des Staatsfonds, der 1,4 Prozent der globalen Marktkapitalisierung kontrolliert, genau.

lg/afp/rtr