Landkarte von Norwegen

Parlament macht den Weg frei Norwegens Staatsfonds soll grüner werden

Stand: 13.06.2019, 08:04 Uhr

Das Ende des fossilen Zeitalters rückt auch für den größten Staatsfonds der Welt näher. Der norwegische Pensionsfonds soll seine Investments in Kohle-, Gas- und Ölaktivitäten nun weiter reduzieren.

Gleichzeitig soll massiv in Erneuerbare Energien investiert werden. Einen entsprechenden Beschluss fasste das norwegische Parlament am Abend. Konkret soll der Fonds aus mehr als 150 Öl- und Kohleunternehmen ein Volumen von elf Milliarden Euro abziehen. Das Volumen der Neuinvestitionen in Erneuerbare Energien soll bei 18 Milliarden Euro liegen, vor allem für Wind- und Solarkraft.

Durch die Zustimmung der Abgeordneten zu dem Vorschlag der Regierung wird der Bestand des auch als Ölfonds bekannten Fonds ein Stück weit grüner. Ein Sprecher der norwegischen Zentralbank sagte der Deutschen Presse-Agentur, nun müsse das Finanzministerium in Oslo die entsprechenden Details dazu formulieren.

Warum raus aus Öl und Gas?

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Die Entscheidung entbehrt auf den ersten Blick nicht einer gewissen Ironie, denn im Fonds hat Norwegen primär die Einnahmen aus seinem Geschäft mit den fossilen Energien eingebracht. Diese sollen mit dem Fonds so verwaltet werden, dass für die Zeit nach dem Ende der Erdölvorräte in der Nordsee für zukünftige Generationen vorgesorgt wird. Aktuell liegt das vermögen bei 9.114 Milliarden Kronen, umgerechnet rund 933 Milliarden Euro oder 1,07 Billionen Dollar.

Der Abbau sei hauptsächlich eine wirtschaftliche Entscheidung, sagte der Vorsitzende des Wirtschafts- und Finanzausschusses im norwegischen Parlament, der der konservativen Regierungspartei angehörende Henrik Asheim, gegenüber dem "Spiegel".

Wenn man das Geld wieder im Ölsektor anlege, sein man noch abhängiger von den Ölmärkten, so der Politiker. Gerade der Absturz der Ölpreise vor einigen Jahren habe gezeigt, wie verwundbar die norwegische Wirtschaft sei.

Zustimmung kommt von Nichtregierungsorganisationen: "Die Luft für Geschäftsmodelle auf Kohlebasis wird durch die Entscheidung aus Norwegen dünner", erklärte etwa Matthias Kopp von WWF Deutschland. Es sei positiv, dass der Fonds sein Geld nun erstmals auf direktem Weg in erneuerbare Anlagen stecken dürfe.

Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent liegt derzeit bei rund 60 Dollar und damit ein ganzes Stück entfernt vom Hoch im April bei 75 Dollar. Sorgen um die negativen Folgen des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits für die weltweite Konjunkturentwicklung hatten den Preis zuletzt gedrückt.

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dpa/rm