Ein Berg mit Zuckerrüben, im Hintergrund steigt Dampf aus dem Schornstein der Zuckerfabrik von Südzucker

Aktie im Aufwind Nordzucker stärkt Südzucker

Stand: 29.11.2019, 11:08 Uhr

Wird sich der Zuckermarkt im kommenden Jahr erholen? Ja, sagt ein Manager von Nordzucker. Für die gebeutelten Südzucker-Aktionäre sind solche Aussagen Balsam auf die Ohren. Doch Analysten bleiben skeptisch.

Am Donnerstag kletterte die Südzucker-Aktie um 7,1 Prozent, den höchsten Stand seit dem Kurseinbruch vom 10. Oktober. Heute geht es weiter nach oben. Mit Kursen um 13,75 Euro hat der SDax-Titel wieder seine 200-Tage-Durchschnittslinie bei zuletzt 13,55 Euro überschritten, die als längerfristiger Trendindikator gilt.

Ein Top-Manager des in Braunschweig ansässigen nicht börsennotierten Zuckerproduzenten Nordzucker hatte am Rande eines Branchentreffens in London gesagt, der Markt werde sich im kommenden Jahr erholen. Sowohl die Landwirte als auch die Zuckerproduzenten hätten aus den niedrigen Preisen ihre Lehren gezogen. Die Produzenten würden von Plänen Abstand nehmen, den Zuckerausstoß für die Exporte anzukurbeln.

Prognose erhöht

Hinzu kam eine positive Studie des Investmenthauses Kepler Cheuvreux. Deren Experten hoben das Kursziel für Südzucker von 15,20 auf 15,50 Euro an und beließen die Einstufung auf "Buy". Der Markt schätze die in der Tochter CropEnergies gebündelten Bioethanol-Aktivitäten des Zuckerkonzerns immer noch viel zu pessimistisch ein.

Südzucker erhöht wegen der florierenden Geschäfte der Biosprit-Tochter Cropenergies seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2019/20. So rechnet das Management nun mit einem operativen Konzernergebnis von 50 bis 130 Millionen Euro, wie der Zuckerkonzern am Freitag in Mannheim mitteilte. Bislang war das Unternehmen hier von einem Wert von 0 bis 100 Millionen Euro ausgegangen.

Gesunkene Preise

Das Ebitda erwartet Südzucker nun bei 410 bis 490 Millionen Euro, nach bisher 360 bis 460 Millionen. Die Prognose für den Umsatz blieb unverändert. Die Tochter Cropenergies hatte zuvor wegen höherer Ethanol-Preise ihren Ausblick ebenfalls erhöht.

Südzucker leidet seit Jahren unter den gesunkenen Preisen, denen es sich nach dem Wegfall der Zuckermarktordnung ausgesetzt sieht. In der Konsequenz brach das operative Ergebnis im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende August um fast die Hälfte ein. Der Weltmarktpreis für eine Tonne Zucker liegt derzeit bei rund 300 Euro; 2016 waren es noch mehr als 500 Euro.

Nordzucker-Fabrik in Clauen bei Hannover

Nordzucker-Fabrik in Clauen bei Hannover. | Bildquelle: Imago

Die Erwartung von Experten, die rückläufige Zuckerproduktion würde zu Preissteigerungen führen, hat sich bisher nicht erfüllt. Der Grund aus Unternehmenssicht: hohe Lagerbestände an Zuckerrohr in Indien, die mit hohen Exportsubventionen auf den Weltmarkt geworfen werden. Südzucker moniert also, dass die Akteure in Übersee wie einst die EU die Märkte verzerren.

Kursanstieg nur ein Strohfeuer?

Nun will der Konzern mit Werksschließungen, einer geringeren Zuckerproduktion und Kosteneinsparungen gegensteuern. Die Mehrzahl der 15 von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten Analysten rät zum Abwarten.

Die jüngsten Verluste im Zuckergeschäft seien zwar von anderen Bereichen aufgefangen worden - dies sei die gute Nachricht, schrieb Marc Gabriel vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe. Aber selbst mit einem etwas höheren operativen Ergebnis im Geschäftsjahr 2019/20 sehe er die Schätzungen für das kommende Jahr weiter in Gefahr, da die Zuckerpreise wohl kaum so anziehen dürften, wie es der Markt derzeit annehme.

Somit könnte sich der heftige Kursanstieg der Südzucker-Aktie rasch als Strohfeuer erweisen.

lg/dpa-AFX