Nordex-Windkraftanlagen
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Umsatzschwund und rote Zahlen Nordex geht der Wind aus

Stand: 13.11.2018, 15:45 Uhr

Maue Geschäfte und fallende Preise haben dem Windturbinenbauer Nordex einen hohen Verlust eingebrockt. Das stimmt das TecDax-Unternehmen vorsichtiger für 2018. An der Börse sorgen die Neuigkeiten für einen Kursrutsch.

In den ersten neun Monaten brach der Umsatz um fast ein Viertel auf 1,77 Milliarden Euro ein. Nordex verbuchte einen Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von knapp 61 Prozent auf 71,4 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 51,8 Millionen Euro - nach einem Gewinn von 27,9 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Die Geschäftszahlen stimmten den Vorstand für das Gesamtjahr weniger zuversichtlich. Das TecDax-Unternehmen bestätigte am Dienstag bei der Vorlage der Neunmonatszahlen zwar seine Prognose für den Jahresumsatz von 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro und für die operative Marge von vier bis fünf Prozent (Vorjahr 7,9 Prozent). Die Zahlen dürften jedoch 2018 nun eher am unteren Ende der prognostizierten Spanne liegen. Im Vorjahr lag der angepeilte Umsatz noch deutlich höher bei 3,08 Millionen Euro.

Aktien werden abgestraft

Die Bestellungen konnten sich derweil auf 2,34 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Aber auch die Auftragseingänge blieben Börsianern zufolge hinter den Erwartungen zurück, sodass die deutliche Steigerung den Kursrutsch an der Börse nicht stoppen konnte. Die Aktie des Herstellers von Windkraftanlagen verliert bis zum frühen Nachmittag gut 16 Prozent auf 8,05 Euro an Wert und steuert so auf den größten Tagesverlust seit eineinhalb Jahren zu.

Anfang November war Nordex noch einer der großen Gewinner im TecDax. Das Unternehmen hatte bekanntgegeben, 16 Windkraftanlagen für ein Windpark-Cluster in Mecklenburg-Vorpommern zu liefern. Die Leistung liegt bei 57,6 Megawatt. Neben der Lieferung hatte Nordex einen Service-Vertrag mit einer Laufzeit von 15 Jahren abgeschlossen.

Windkraftbranche leidet

Ein Mitarbeiter des Windanlagenbauers Nordex montiert eine Turbine

Nordex Windturbinenmontage. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die Auftragsflaute aus dem vergangenen Jahr und der Druck auf die Preise zeigen noch Nachwirkungen in der Branche. Europaweit finden Ausschreibungen für neue Anlagen inzwischen überwiegend über Auktionen statt. Die Windanlagenbauer ächzen daher unter einem harten Konkurrenzkampf. Dies gilt vor allem für Anlagen an Land, da der Markt zunehmend gesättigt ist und Subventionen heruntergefahren werden. Infolge der Strafzölle zwischen den USA und China kämpft der Markt außerdem mit steigenden Kosten für Stahl - dem wichtigsten Grundstoff für die Turbinen.

Auch der Hitzesommer verschärfte die Krise 2018 weiter. Nachdem 2017 noch Anlagen mit einer Leistung von 5,3 Gigawatt gebaut wurden, dürfte der Neubau in diesem Jahr nur bei 3,5 Gigawatt liegen. 2019 und 2020 dürfte sich das Marktvolumen sogar auf 2,0 Gigawatt reduzieren, hatte der Bundesverband Windenergie (BWE) im August prognostiziert.

Belebung des Geschäfts im dritten Quartal

Nordex-Chef José Luis Blanco sieht das Unternehmen aber dennoch auf einem guten Weg, erwartet aber noch viel Arbeit. "Wir gehen davon aus, dass auch das Jahr 2019 herausfordernd sein wird", sagte er. "Eine wesentliche Aufgabe wird für uns darin bestehen, unsere Lieferkette weiter zu transformieren, also in Länder mit besserer Kostenstruktur zu verschieben." Auf diese Weise wolle Nordex Installationen so effizient wie möglich abwickeln.

Nach eigenen Aussagen spürte das Unternehmen im dritten Quartal eine Belebung des Geschäfts. Im Segment Projekte sei in den vergangenen drei Monaten ein Auftragseingang von 974 Megawatt erzielt worden. Das sei deutlich mehr als im Vorjahr.

tb