Nokia Forschungszentrum in Ulm

Kurseinbruch nach heftiger Gewinnwarnung Schwarzer Tag für Nokia

Stand: 24.10.2019, 09:51 Uhr

Noch vor wenigen Monaten wurde der finnische Telekom-Ausrüster als 5G-Profiteur gefeiert. Nun aber hat Nokia seine Gewinnziele eingedampft - für 2019 und 2020. Die Anleger reagieren geschockt.

Die Aktie von Nokia sackt um über 20 Prozent ein und ist klares Schlusslicht im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50. Mit 3,69 Euro fällt sie auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Anfang des Jahres war sie noch über fünf Euro wert gewesen.

5G nagt an der Marge

Da der Aufbau des neuen 5G-Mobilfunknetzes teurer als erwartet werden dürfte und der Wettbewerbsdruck zunimmt, hat der finnische Telekomausrüster seine Prognose für die Jahre 2019 und 2020 kassiert. Demnach peilt der Konzern im laufenden Jahr ein Ergebnis je Aktie von 0,18 bis 0,24 Euro an - statt wie bisher geplant 0,25 bis 0,29 Euro. Bei der bereinigten operativen Marge erwartet der Konzern jetzt rund 8,5 Prozent. Bislang war der Netzwerkausrüster von 9 bis 12 Prozent ausgegangen.

Im kommenden Jahr erwartet Nokia einen Gewinn je Aktie von 0,20 bis 0,30 Euro. Bislang war eine Spanne von 0,37 bis 0,42 Euro angepeilt. Zudem werden die Dividendenzahlungen vorerst ausgesetzt. Eine Erholung erwartet Nokia-Chef Rajeev Suri erst im Jahr 2021.

Umsatzrückgang im dritten Quartal

Im abgelaufenen dritten Quartal verdiente Nokia 0,05 Euro je Aktie. Das war ein Cent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das um Sonderposten bereinigte operative Ergebnis ging um zwei Prozent auf 478 Millionen Euro zurück. Immerhin steigerte Nokia den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich fuhr der Konzern sogar einen auf die Aktionäre entfallenden Überschuss von 82 Millionen Euro ein.

Laut Analyst Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan fielen die Quartalszahlen besser aus als erwartet. Am Markt kam aber vor allem negativ an, dass nun auch die Dividendenzahlung vorerst ausgesetzt werden soll.

5G-Profiteur?

Im zweiten Quartal hatte der Aufbau der neuen 5G-Mobilfunknetze den Finnen noch einen Gewinnsprung beschert. Das bereinigte operative Ergebnis hatte sich um 35 Prozent erhöht - bei einem Umsatzanstieg von rund sieben Prozent. Die Nachfrage nach 5G-Ausrüstung sei in den USA und in Südkorea stark, hatte damals Firmenchef Rajeev Suri gesagt. In diesem Jahr soll die Technologie auch in Japan, dem Nahen Osten, China, Skandinavien, Italien und Großbritannien auf den Markt kommen.

nb