Nokia 1 (l.) und Nokia 7+

Comeback unter dem Dach von HMD Nokia-Smartphones auf dem Vormarsch

von von Andreas Braun

Stand: 26.02.2018, 14:23 Uhr

Der Weg vom Handy-Weltmarktführer zum Nischenanbieter war nicht das Ende der Marke Nokia. Das Netzwerk-Geschäft geht längst eigene Wege - und unter dem Dach von HMD Global hat Nokia auch im Handymarkt ein erstaunliches Comeback geschafft.

Rund 70 Millionen ihrer Mobiltelefone hat die "neue" Nokia im vergangenen Jahr verkauft. Das sind zwar deutlich weniger als die 320 Millionen Samsung-Smartphones, die vom koreanischen Marktführer 2017 abgesetzt werden konnten. Dennoch ist die Verkaufzahl imposant. Die finnische HMD, die heute die Marke Nokia in Sachen Handys und Smartphones vermarktet und erst seit 2016 aus dem ehemaligen Nokia-Mobilfunk-Geschäft unter dem Dach von Microsoft hervorging, gilt als Weltmarktführer - allerdings nur im Bereich der einfachen Handys. Die werden immerhin noch von geschätzt 1,3 Milliarden Menschen weltweit genutzt.

Börsennotiert ist nur noch die Netzwerksparte, die ebenfalls unter dem Namen Nokia firmiert, aber nicht an HMD beteiligt ist. Immerhin kassiert die "alte" Nokia noch mit: Der Konzern erhält Lizenzgebühren für Eigentums- und Namensrechte; und er hält einen der fünf Aufsichtsratssitze von HMD. Auch räumlich sind sich Nokia und HMD Global durchaus nahe. Der Hauptsitz von HMD im finnischen Espoo liegt direkt gegenüber der Nokia-Zentrale.

Erst billig, dann teurer?

Naturgemäß lässt sich mit den Geräten, deren Hauptverwendung noch immer die klassische Sprachkommunikation ist, nicht annährend so viel verdienen wie mit den technologisch hochgezüchteten Smartphones, die hohe Margen abwerfen. Aber die Kundenbasis, die HMD mit seinen Billiggeräten hat, will das Unternehmen nun offenbar auch für technisch aufwändigere Smartphones nutzen.

Da kommt die Branchenmesse "Mobile World Congress" in Barcelona gerade recht. Neben der Neuauflage von Klassikern wie dem Schiebe-Handy 8110 kommen in Spanien auch Smartphones unterschiedlicher Preisklassen an die Öffentlichkeit. Mehrere Geräte in deutlich höheren Preisbereichen wie das Einsteiger-Smartphone Nokia 1 (99 Dollar) werden dort vorgestellt (s. unsere Galerie - "Smarties" aus Barcelona).

Florian Seiche CEO HMD Global

Florian Seiche. | Bildquelle: Imago

Nokia traut sich mit seinem breiten Produktspektrum einiges zu, wie auch die Worte des deutschen Chefs von HMD Global zeigen. Florian Seiche, der von der ehemaligen Muttergesellschaft Microsoft zu HMD Global wechselte, sieht HMD binnen drei bis fünf Jahren unter den Top 5 der Smartphone-Branche, "besser noch unter die Top 3", so der Manager.

Potenzial im Smartphone-Markt scheint es dank der starken Marke zuhauf zu geben: Von den im vergangenen Jahr verkauften geschätzt 70 Millionen Geräten waren nur sechs Millionen echte Smartphones. Schafft es Nokia also, die Kunden der klassischen Handys beim Übergang in den "smarten" Bereich seiner Produkte zu behalten, wirkt die Vorgabe gar nicht mehr so illusorisch. Nokia lässt seine Smartphones wie viele Hersteller der Branche, darunter auch Apple, vom chinesischen Auftragsfertiger Foxconn herstellen.

Bei ihren aktuellen Flaggschiff-Geräten punkten die Finnen vor allem mit ausgefeilter Kamera-Technik. So bietet das neue Nokia 8 Sirocco gleich zwei hochauflösende Kameras an der Frontseite, von denen eine über einen optischen Zoom verfügt.

Android stets an Bord

Eine enge Kooperation der "neuen" Nokia mit Google dürfte dabei helfen, den Marktführern Samsung, Apple und Huawei wieder ein wenig näher zu kommen. Selbst das günstigste Smartphone ist mit der neuesten Version des Android-Betriebssystems (Oreo) von Google ausgestattet.

Im Bereich der Betriebssysteme bei Smartphones hat sich in den vergangenen Jahren ein fast reines Duopol herausgebildet. Während Android einen Marktanteil von 85,9 Prozent beherrscht, kommt das Apple-Betriebssystem iOS auf 14 Prozent, 99.9 Prozent des Marktes sind damit vergeben.

Leichter Absatzknick Ende 2017

Die Smartphone-Verkaufszahlen hatten im Weihnachtsquartal einen leichten Absatzknick verzeichnet. Das liegt laut Marktforschern vor allem daran, dass inzwischen auch Android-Nutzer inzwischen teurere Geräte kaufen, die sie länger nutzen. Ingesamt wurden 2017 rund 1,5 Milliarden Smartphones verkauft.

1/8

"Smarties" aus Barcelona Neues vom Mobile World Congress

Nokia 1

Nokia 1
Smartphones für alle, könnte das Credo des "1er" von Nokia sein. Für 99 Dollar ist das Gerät zu haben, das die Nutzer von einfachen Handys mit der etablierten finnischen Marke ansprechen soll. Immerhin hat das Gerät bereits die neueste Android-Version "Oreo" an Bord.