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Nokia

Wer steckt dahinter? Comeback des Nokia-Handys

Stand: 22.12.2016, 13:04 Uhr

30 Monate lang durfte kein neues Handy den Namen Nokia tragen. So sah der Deal aus, als Nokia vor zweieinhalb Jahren sein Handygeschäft an Microsoft verkaufte. Doch die Zeit ist jetzt um. 2017 kommen wieder neue Nokia-Handys raus. HMD steckt dahinter - ein finnisches Start-up.

Fast anderthalb Jahrzehnte lang war Nokia bei Handys das Maß aller Dinge. Der finnische Konzern war Weltmarktführer. Das Nokia-Handy wurde zur Ikone. Doch der Handy-Pionier verschlief die Entwicklung von Smartphones. Als Apple 2007 mit seinem ersten iPhone die Tech-Welt revolutionierte, läutete der US-Konzern auch den Niedergang des Nokia-Konzerns ein. Zwar verkaufte sich das Nokia-Handy weiterhin enorm gut, viele Fans blieben ihrem "6110" treu. Doch mit den einfachen, nicht internetfähigen Mobiltelefonen ließ sich weniger Gewinn machen als mit den Apple-Produkten.

Nach relativ erfolgloser Zusammenarbeit mit Microsoft verkaufte Nokia 2014 die Handy-Sparte an den Softwarekonzern. Eine radikale Wende: Das Geschäft von Nokia ist seither nur noch die Ausrüstung von Netzen der Telefongesellschaften. Für Microsoft blieb das Handy-Abenteuer ebenso erfolglos, der Software-Riese verkaufte schon ein Jahr später sein Handy-Geschäft.

Die neuen Nokia-Macher

Käufer war HMD Global Investmentfonds und dessen taiwanischen Partner FIH Mobile. Es ist ein relativ komplizierter Deal, bei dem auch Nokia die Finger im Spiel hat. Denn die Finnen hatten noch die Markenrechte für Smartphones, die sie ebenfalls an HMD verkauften. Zwar hatte sich Nokia gegenüber Microsoft verpflichtet, bis Ende 2016 nicht auf den Smartphone-Markt zurückzukehren. Doch weil diese Frist nun abläuft, wurde der Deal mit HMD und FIH möglich.

Wer sind die neuen Nokia-Macher? Das finnische Start-up HMD wurde 2015 von Ex-Nokia-Manager und Microsoft-Mitarber gegründet. HMD agiert aber unabhängig von Nokia; Nokia wird sich nicht an dem Unternehmen beteiligen, und auch keine Investitionen tätigen. FIH Mobile ist eine Tochter des Auftragsfertigers Foxconn, der als Zulieferer von Apples iPhone bekannt ist.

Und was hat Nokia davon?

Das neue Team darf nun zehn Jahre lang exklusiv Geräte unter dem Nokia-Label verkaufen - und zwar die ganze Palette Mobilgeräte vom einfachen Handy über das Smartphone bis zum Tablet. HMD wird dabei den Vertrieb, Verkauf und Marketing der Nokia-Smartphones und -Tablets übernehmen, FIH Mobile kümmert sich um die Gerätefertigung und die Kontakte in die Zulieferkette. Auf den Handys soll nicht mehr Windows, sondern das Google-Betriebssystem Android laufen. In den kommenden drei Jahren will HMD über 500 Millionen Dollar investieren.

»Nokia ist seit Jahrzehnten eine der ikonischsten und sichtbarsten Handy-Marken weltweit.«

Arto Nummela, Chef von HMD Global

Nokia mischt zwar nicht mit, kassiert aber: Der Konzern erhält Lizenzgebühren für Eigentums- und Namensrechte. Vielleicht kann es der Nokia-Aktie wieder mehr Schwung geben. Da ist es Nokia wohl ganz recht, dass der ehemalige Handy-Pionier ein Auge auf die Geschäfte haben darf: Der Konzern hält einen der fünf Aufsichtsratssitze von HMD.

bs

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Nokia - vom Gummistiefel zum Netzwerk Die bewegte Geschichte

Erstes Logo von Nokia von 1865 und Porträt des Gründers Fredrik Idestam

Unten am Fluss
Die Geschichte von Nokia beginnt für einen Handykonzern recht früh - nämlich bereits 1865. Damals baute der Ingenieur Fredrik Idestam in Tampere im Südwesten Finnlands eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später entstand eine zweite in der Nähe des Flusses Nokianvirta - daher auch der Konzern-Name "Nokia".