Commerzbank Zentrale Frankfurt

Arbeitnehmer befürchten drastische Einschnitte Coba-Aufsichtsratssitzung verschoben?

Stand: 30.06.2020, 08:40 Uhr

In der Frankfurter Bank rumort es. Eine für den morgigen Mittwoch geplante Sondersitzung des Aufsichtsrats wurde nach Medienberichten verschoben. Die Arbeitnehmervertreter befürchten einen drastischen Stellenabbau und ein verschärftes Sparprogramm.

Der Grund für die Verschiebung der Sitzung seien Proteste der Gewerkschaft Verdi und anderer Arbeitnehmervertreter, so die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Dienstagausgabe). Offenbar beanstanden die Arbeitnehmervertreter in dem Kontrollgremium, dass das Management dem Aufsichtsrat wichtige Unterlagen nicht vorgelegt habe. Zugleich habe man mitbekommen, dass der US-Finanzinvestor Cerberus und der Bund als Großaktionäre in die Überarbeitung der Strategie eingebunden worden seien, hieß es. Daher sei die Verlegung der Sitzung beantragt worden.

11.000 Jobs in Gefahr

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Diese Überarbeitung der Unternehmensstrategie beinhaltet offensichtlich einen weiteren deutlichen Stellenabbau. Die "Börsen-Zeitung" berichtete unter Berufung auf Finanzkreise, die Bank plane eine Radikalkur. Auf der Aufsichtsratssitzung habe der Abbau von weiteren 7.000 Stellen diskutiert werden sollen. Zusammen mit den bereits angekündigten Stellenstreichungen würden damit bis 2023 mehr als 11.000 Jobs wegfallen.

Von der Commerzbank war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Ende des ersten Quartals hatte die Bank auf Vollzeitbasis etwa 39.800 Mitarbeiter, im laufenden Jahr soll die Zahl nach letzten Angaben auf knapp 39.000 sinken.

Corona und Wirecard belasten zusätzlich

Finanzchefin Bettina Orlopp hatte wiederholt erklärt, die neuen Sparpläne spätestens im August mit den Zahlen zum zweiten Quartal vorzustellen. Ein Grund dafür ist auch die Corona-Pandemie. Bei der Commerzbank drohen deswegen mehr Kreditausfälle. Auch zählt das Frankfurter Geldhaus zu den Gläubigern des zusammengebrochenen Zahlungsabwicklers Wirecard.

Der Bund ist seit der Finanzkrise 2008/2009 mit 15,6 Prozent größter Einzelaktionär des Frankfurter Instituts. Cerberus, das gut fünf Prozent der Aktien hält, hatte dem Commerzbank-Management in zwei Briefen Versagen und eine verfehlte Strategie vorgeworfen. Konzernchef Martin Zielke und Orlopp hatten nach einem Gewinneinbruch 2019 in diesem Februar angekündigt, dass der Sparkurs noch einmal forciert werden soll.

AB