Trevor Milton, Nikola

Firmengründer tritt nach Betrugsvorwürfen zurück Nikola: Auch das noch!

Stand: 21.09.2020, 16:04 Uhr

Vergangene Woche wurden Betrugsvorwürfe gegen das Unternehmen Nikola erhoben. Jetzt ist der Gründer und Chef Trevor Milton zurückgetreten.

Der US-Hersteller von Elektrolastwagen Nikola verliert inmitten des Streits mit dem Leerverkäufer Hindenburg seinen Chef. Firmen-Gründer und Chef Trevor Milton sei an den Vorstand herangetreten und habe freiwillig angeboten, aus dem Amt zurückzutreten, teilte das Unternehmen mit. Mit den Worten „Nikola liegt mir wirklich im Blut und wird es immer tun und der Fokus sollte auf dem Unternehmen und seiner weltverändernden Mission liegen, nicht auf mir“, begründete Milton seine Entscheidung.

Das Unternehmen aus Phoenix im Bundesstaat Arizona habe den Rücktritt akzeptiert. Als Nachfolger sei mit sofortiger Wirkung Stephen Girsk, Mitglied des Nikola-Verwaltungsrates und ehemaliger Manager beim Autobauer General Motors (GM) ernannt worden. Hintergrund ist der Streit mit der Investmentgesellschaft Hindenburg Research. Der Leerverkäufer hatte Nikola Betrug und Vetternwirtschaft vorgeworfen, nachdem das Unternehmen eine milliardenschwere Kooperation mit General Motors verkündet hatte.

Mit jahrelangen Lügen und falschen Behauptungen über die Technologie des Unternehmens, einschließlich über die Wasserstoff- und Brennstoffzellenbatterie, habe Nikola seine Geschäftspartner in die Irre geführt.

Nikola hat die Behauptungen zurückgewiesen und die Investmentgesellschaft wegen versuchter Kursmanipulation bei der US-Börsenaufsicht angezeigt. Hindenburg ist als Leerverkäufer kein neutraler Analyst, sondern profitiert von Kursverlusten der Nikola-Aktie.

Nikola will mit emissionsfreien Trucks die Nutzfahrzeugbranche revolutionieren und galt in diesem Sektor zuletzt als Tesla-Konkurrent. Erst im April wagte das junge Unternehmen den Schritt an die Technologie-Börse Nasdaq. Schließlich hatte die Firma Großes vor. Nikola spezialisiert sich auf die Lkw-Sparte. Eine Kombination aus Strom und Wasserstoff soll die Trucks der Zukunft antreiben. Anders als bei Tesla soll dafür die Energie nicht nur aus Batterien, sondern auch aus Brennstoffzellen kommen. Mit seinen ambitionierten Wachstumsplänen sorgte das Unternehmen zuletzt für große Euphorie. Doch die Betrugsvorwürfe von Hindenburg Research haben die Aktie zuletzt stark fallen lassen. Sie lag im Xetra-Handel im Tagesverlauf zwischenzeitlich 25 Prozent im Minus.

Zu viel Euphorie?

Analysten halten sich bislang bedeckt. Kaum ein Aktien-Experte hat sich zum jetzigen Zeitpunkt öffentlich zum Unternehmen zu Wort gemeldet. Die kürzlichen Betrugsvorwürfe sorgen bei den Analysten für keine große Aufruhr. Die kalifornische Investmentfirma Wedbush stuft die Nikola-Aktie weiterhin als „neutral“ ein und setzt ein Kursziel von 45 US-Dollar.  

acb/rtr/dpa-AFX