Niki Lauda
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"Nicht zu retten!" Niki Lauda prophezeit Aus für Air Berlin

Stand: 08.08.2017, 13:46 Uhr

Seit neun Jahren schreibt Air Berlin rote Zahlen und macht hohe Schulden. Einige Luftfahrt-Experten halten den Billigflieger für kaum noch überlebensfähig. Air Berlin sei nicht mehr zu retten, meint zum Beispiel Niki Lauda.

"Ich bin gespannt, ob die den nächsten Winter überleben", sagte der frühere Luftfahrt-Unternehmer und Formel-1-Star im Interview mit dem "Tagesspiegel". "Nach dem Sommer geht das Geld wieder aus." Und wenn Großaktionär Etihad weigere sich nachzuzahlen, sei es dann wohl das Ende von Air Berlin, glaubt er.

"Bald geht das Geld aus"

Selbst eine Insolvenz in Eigenverwaltung würde seiner Ansicht nach nichts bringen. "Die Air Berlin kann man, so wie sie heute ist, nicht retten. Die kannst Du auch in fünf Jahren nicht retten - mit dieser Verschuldung, all den verkauften Fliegern und den unglaublich hohen Leasing-Raten", sagte Lauda der Zeitung.

Er wundere sich, dass der frühere Eurowings-Manager Thomas Winkelmann den Job als Air-Berlin-Chef angenommen habe. "Da kann er nichts gewinnen." Es sei wahnsinnig schwer, aus den Resten von Air Berlin noch irgendetwas zu machen.

Als Grund für den Niedergang von Air Berlin sieht Niki Lauda zum einen die zunehmende Konkurrenz der Billigflieger wie Easyjet und Ryanair. "Der Markt hat sich neu formiert, da ist für Air Berlin kein Platz mehr."

Fehlbesetzungen an der Spitze

Hinzu kämen zahlreiche Management-Fehler. So sei das wichtige Palma-Drehkreuz zerstört worden, kritisiert Lauda. Außerdem seien seit dem Abgang von Joachim Hunold "immer die falschen Top-Manager" ausgewählt worden. Lauda: "Das habe ich auch immer im Board-Meeting gesagt, aber es hat keinen interessiert."

Niki Lauda hatte einst seine eigene Fluggesellschaft Niki Luftfahrt an Air Berlin verkauft und saß bis 2013 im Verwaltungsrat von Air Berlin. Inzwischen hat der Österreicher mit Lauda Motion eine neue Fluggesellschaft gegründet.

Ryanair-Chef: Air Berlin wird verschwinden

Auch Ryanair-Chef Michael O'Leary hat mehrfach Air Berlin ein baldiges Ende prophezeit. Air Berlin habe keinen klaren strategischen Kurs und werde bald vom Markt verschwinden, sagt er immer wieder in Interviews oder bei Auftritten auf Pressekonferenzen.

Manche Luftfahrt-Profis raten inzwischen Kunden davon ab, langfristig Reisen mit Air Berlin zu planen. Ein halbes Jahr im voraus sollte man mit der Airline nicht buchen, empfahl Tobias Rückerl, Strategieberater für Fluggesellschaften, in "Business Insider".

Schluckt Lufthansa Air Berlin?

Air Berlin Flugzeuge
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ARD-Börse: Überlebensfähig? Zur Lage von Air Berlin

Seit Wochen wird darüber spekuliert, dass Großaktionär Etihad seine Anteile an Air Berlin loswerden will. Als möglicher Käufer gilt die Lufthansa. Die Kranich-Airline ist am Kauf von Air Berlin zwar generell interessiert, will aber nicht die Milliarden-Schulden des Billigfliegers übernehmen.

Die Aktien von Air Berlin pendeln seit Wochen zwischen 70 und 90 Cent. Immerhin: Seit dem Jahresbeginn sind sie um gut 40 Prozent gestiegen - wenn auch auf Pennystock-Niveau. Am Donnerstag legt Air Berlin seine Zahlen zum zweiten Quartal vor.

nb