Nike Alphafly Next

Umstrittener Wunderschuh Nikes Alphafly sorgt für Fabelrekorde

Stand: 12.02.2020, 11:05 Uhr

Wer als Sportler in diesem Jahr im Langstreckenlauf bei den Olympischen Spielen in Tokio etwas gewinnen will, kommt wohl an Nikes neuem Wunderschuh "Air Zoom Alphafly" nicht vorbei. Aber ein fader Beigeschmack bleibt.

Denn nicht wenige Experten sind skeptisch. Mit dem neuen Laufschuh des amerikanischen Adidas-Konkurrenten wurden zuletzt Fabelrekorde erzielt, die kaum je für möglich gehalten wurden.

So lief der kenianische Läufer Eliud Kipchoge im Oktober einen Marathon erstmals unter der Marke von zwei Stunden. Kurz danach purzelte auch der Frauen-Weltrekord, der bisher bei 2:15:25 Stunden stand und als kaum noch schlagbar galt. Auch Läuferin Brigid Kosgei aus Kenia war natürlich mit dem Nike-Wunderschuh unterwegs.

Doping oder Kraftsparen?

Im Kern geht es bei der Diskussion um den Schuh darum, ob die 39,5 Millimeter dicke Sohle plus der eingebauten Kohlefaserplatte den Läufern eine unfairen Vorteil verschafft oder nicht.

US-Sportwissenschaftler Ross Tucker jedenfalls nahm gegenüber der "Welt" sogar das Wort Doping in den Mund. Trotzdem entschied der Leichtathletik-Weltverband, den Schuh zu genehmigen und setzte eine maximale Dicke der Sohlen von 40 Millimetern fest.

Vorteil Nike

Im Milliardengeschäft um Medaillen und Umsätze jedenfalls ein wichtiger Etappensieg für Nike. Denn natürlich haben die Manager des Adidas-Erzrivalen dabei die hohe Werbewirksamkeit der Olympia-Erfolge im Visier, die sich dann in steigenden Umsätzen bemerkbar machen soll.

Im März schon soll der Wunderschuh in die Läden kommen, derzeit wird das Vorgängermodell Vaporfly beworben. Bei Preisen um die 300 Dollar (rund 275 Euro) ein lukratives Geschäft. Bereits bei den Spielen 2016 in Rio gab es keinen männlichen Marathonläufer auf dem Siegertreppchen, der nicht mit dem Vaporfly unterwegs gewesen wäre.

Der März-Zeitpunkt ist übrigens von großer Bedeutung, denn der Weltverband stellte auch klar, dass der Alphafly-Prototyp, mit dem Kipchoge zum neuen Weltrekord gelaufen war, mindestens vier Monate im Handel sein muss, um bei den Spielen genehmigt zu werden.

Nike jedenfalls, das schon lange an den Schuhen forscht, will natürlich von Doping-Vorwürfen nichts wissen. Man wolle den Sportlern zu besseren Ergebnissen verhelfen in dem sie Energie sparen, sagt Nike Chef-Designer John Hoke der "Welt". Was dem Körper Energie spare, sei schließlich kein Doping.

Wie man die Sache auch dreht und wendet: Wenn im Sommer um die Olympia-Siege gelaufen wird, wird es ohne die neueste "Schuhtechnik" wohl keine Aussicht auf Erfolge geben.

Nike-Aktie auf Rekordkurs

Den Aktionären des US-Konzerns jedenfalls wäre das wohl sehr recht. Die Nike-Aktie macht ihnen nämlich schon seit über zwei Jahren große Freude. Lag der Kurs im Spätsommer 2017 noch bei etwas über 50 Dollar, hat sich das Papier seither verdoppelt. Am Dienstag schloss die Aktie an der NYSE bei 100,02 Dollar, an der Börse ist Nike damit knapp 157 Milliarden Dollar wert. Erst im Januar wurde bei 104,58 Dollar ein neues Rekordhoch markiert.

rm