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Gelungenes IPO Nfon deutlich über Ausgabepreis

Stand: 11.05.2018, 18:26 Uhr

Erst wurde der Ausgabepreis am unteren Ende der zuvor gesenkten Spanne festgelegt. Das Börsendebüt fiel für die Münchner Telekomfirma Nfon dann aber doch erfreulich aus.

Am ersten Handelstag schlossen die Titel des Börsenneulings bei 13,26 Euro. Im Vergleich zum Ausgabepreis von 12 Euro bedeutet das ein Plus von 10,5 Prozent. Am Morgen war Nfon zu 13 Euro in den Handel gestartet. Wegen der schwachen Nachfrage hatte der Münchener Cloud-Telefonanbieter die Preisspanne am Montag auf 11,93 bis 14,00 Euro von zuvor 15,60 bis 19,60 Euro gesenkt.

Insgesamt brachte der Börsengang 80,5 Millionen Euro ein, statt der ursprünglich geplanten bis zu 138 Millionen. Inklusive der Mehrzuteilungsoption (im Börsenjargon Greenshoe genannt) wurden insgesamt 6,7 Millionen Aktien ausgegeben. Neben den neuen Papieren wurden inklusive der Mehrzuteilungsoption gut 2,5 Millionen Titel bestehender Anteilseigner platziert. Auf Basis des erzielten Preises liegt die Marktkapitalisierung bei 166 Millionen Euro.

Wachstum finanzieren

Ein Großteil der Erlöse, 50 Millionen Euro, soll zur Finanzierung der weiteren Wachstumsstrategie verwendet werden. Nfon will weiter in Europa expandieren, insbesondere in Frankreich, Italien und den Niederlanden. Zudem soll in Forschung und Entwicklung sowie in das Marketing investiert werden.

Unter der Annahme der vollen Ausübung der Platzierungsreserve beträgt der Streubesitz circa 43,5 Prozent. Die Aktien werden voraussichtlich ab morgen am regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse gehandelt.

Nfon schreibt noch rote Zahlen

Nfon bietet virtuelle Telefonanlagen an, bei denen die Gespräche über das Internet abgewickelt werden. Das Unternehmen mit 150 Mitarbeitern hat nach eigenen Angaben über 15.000 Firmenkunden in 13 europäischen Ländern. 2017 kletterten die Erlöse um 17 Prozent auf 35,7 Millionen Euro und auf Basis des bereinigten Ebitda erreichte Nfon erstmals schwarze Zahlen. Unter dem Strich fiel aber ein Verlust von zwei Millionen Euro an.

Ermöglicht hat den Gang aufs Parkett der Ankeraktionär Milestone Venture, ein Wagniskapitalfinanzierer. Er bekam bevorrechtigt Aktien zugeteilt und hält künftig 30,1 Prozent an Nfon. Vor dem Börsengang lag sein Anteil bei 35,8 Prozent. Begleitet wird der Nfon-Börsengang von Berenberg, der Baader Bank und Oddo BHF.

lg

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Mit einem geschätzten Volumen von vier Milliarden Euro könnte Knorr-Bremse der zweitgrößte Börsengang des Jahres nach der Siemens-Tochter Healthineers werden. Zusammen mit seiner Tochter Julia ist Heinz Hermann Thiele über mehrere Investmentgesellschaften alleiniger Eigentümer des Weltmarktführers für Zug- und LKW-Bremsen. Thiele ist auch Großkationär beim Bahntechnikkonzern Vossloh. Über einen Börsengang denke er "vorrangig" nach, hatte Thiele nach der gescheiterten Übernahme des schwedischen Nutzfahrzeugzulieferers Haldex im September des vergangenen Jahres gesagt. Knorr-Bremse beschäftigt fast 25.000 Mitarbeiter und setzte 2016 rund 5,5 Milliarden Euro um.