Beate Uhse Laden

GmbH-Neustart als "be you" Aktionäre von Beate Uhse gehen leer aus

Stand: 20.06.2018, 14:35 Uhr

Die Erotik-Kette Beate Uhse steht vor einem Neustart unter dem neuem Namen "be you". Klingt positiv. Für die Beate-Uhse-Aktionäre und die Mitarbeiter ist es das aber keineswegs.

Die Erotik-Kette Beate Uhse lässt die Insolvenz hinter sich. Der Flensburger Sexartikel-Versender firmiert künftig als "be you", wie Beate Uhse am Mittwoch mitteilte. Allerdings wird die neue Firma eine GmbH sein, sie hat nichts mehr zu tun mit der alten Aktiengesellschaft. Die alte Beate Uhse-Aktie ist damit wertlos.

Widersinnige Kurssprünge

Unsinnigerweise stieg der Aktienkurs heute nach der Unternehmensmeldung von dem Neustart von 6 auf 8 Cent. Das sind entweder Spekulanten oder unwissende Käufer, die ob der vermeintlich verbesserten Aussichten auf eine Wiederbelebung der Aktie setzen. Zu Unrecht. Eine Gesamtbilanz der Insolvenz steht zwar noch aus. Nach früheren Mitteilungen sollten Gläubiger und Anleger ihr Kapital aber weitgehend oder komplett verlieren.

In einer Pro-Forma-Bilanz für 2017 weist der Insolvenzplan einen Umsatz von rund 75 Millionen Euro für den Konzern aus sowie einen Verlust von knapp elf Millionen Euro. Die neue be you GmbH hat auch einen neuen Besitzer: Sie gehört einem Fonds des Finanzinvestors Robus Capital Management.

Eine tiefgreifende operative Sanierung der Gruppe sei erst durch die Insolvenz verschiedenster Gruppengesellschaften möglich geworden, hieß es. Neben der Auslagerung der Logistik und der Verringerung der Fixkosten werde der neue Gesellschafter nun vor allem in den Online-Handel investieren. Hier hatten junge Firmen der etablierten Beate-Uhse-AG den Rang abgelaufen.

Neustart? Nicht für alle Mitarbeiter!

"Wir haben jetzt eine gute Basis, um neu durchzustarten", sagt Geschäftsführer Michael Specht, der an Bord bleibt. Allerdings ist es kein Neustart für alle Mitarbeiter. Lediglich 150 von zuletzt 350 Arbeitsplätzen dürften erhalten bleiben. In Spitzenzeiten hatten sogar über 800 Menschen für Beate Uhse gearbeitet.

Bestehen bleiben die Läden und das Online-Geschäft sowie die Marken "Beate Uhse" und "Adam & Eve" in Frankreich und die niederländische Tochter Pabo.

Aufstieg und Untergang

Die Firma wurde 1946 von der früheren Luftwaffen-Transportpilotin Beate Rotermund-Uhse gegründet, mit einem Faltblatt über natürliche Empfängnisverhütung. 1962 eröffnete sie den ersten Sexshop der Welt in Flensburg. Bald entwickelte sich die Firma zu Europas größtem Erotik-Unternehmen mit Sexshops, Kinos und einem Versandhaus.

Mit dem Internet begann der Niedergang, da Sexfilme quasi überall kostenlos heruntergeladen werden können. Das Geschäft schrumpfte rapide. Seit 2015 steckte die Beate Uhse AG in den roten Zahlen. Für 2017 hatte der Vorstand nur noch Erlöse von weniger als 100 Millionen Euro geplant, einige Jahre vorher waren es noch mehr als 200 Millionen. Im Dezember 2017 ging der bekannte Erotik-Händler nach einem jahrelangen Niedergang pleite.

Der Niedergang der Aktie begann quasi kurz nach dem Börsenstart 1999. Der Kursverlauf weist nahezu durchgängig bergab, mit einer vorübergehenden Wiederbelebung 2003 und einem Verjüngungsversuch 2013.

bs