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Ein Großaktionär und ein Staatssekretär im Fokus Neues von der Bankenhochzeit

von Till Bücker

Stand: 06.03.2019, 14:27 Uhr

Über ein halbes Jahr halten sie sich nun schon die Gerüchte über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank. Und doch gibt es immer wieder neue Entwicklungen. Diese heizen die Spekulationen weiter an.

Jörg Kukies, Bundesministerium der Finanzen

Jörg Kukies. | Bildquelle: Bundesministerium der Finanzen

Zum einen ist da der Staatssekretär des Bundesfinanzministeriums, Jörg Kukies (SPD). Der ehemalige Deutschlandchef von Goldman Sachs spielt eine große Rolle in der Bankenhochzeit. Allein im vergangenen Jahr sprach Kukies 23 Mal mit teilweise hochrangigen Vertretern der Deutschen Bank. Das bestätigte der frühere Investmentbanker im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung". Worum es dabei konkret ging, ließ er offen.

Eine Vielzahl von Themen sei erörtert worden, unter anderem strategische Optionen der jeweiligen Institute, schrieb das Finanzministerium in einem Antwortschreiben auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Danyal Bayaz. Einige sehen den außergewöhnlich engen Austausch zwischen der Bundesregierung, die immer noch 15 Prozent an der Commerzbank hält, und der Deutschen Bank als Indiz für eine Fusion.

Stephen Feinberg, Cerberus

Stephen Feinberg. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Auch Cerberus, der Großinvestor aus den USA, scheint nicht ganz unwichtig. Der Fonds besitzt rund fünf Prozent der Commerzbank-Aktien und hält etwa drei Prozent an der Deutschen Bank. Die „Blauen“ setzten gar beim Konzernumbau auf Cerberus und engagierten im Sommer deren Beratungssparte. Ende 2017 hatte CEO Stephen Feinberg eine Fusion abgelehnt.

Nun änderte er jedoch seine Meinung: Nach Angaben von mehreren mit der Sache vertrauten Personen befürwortet der Investor mittlerweile die Fusion. Die Cerberus-Manager zweifeln offenbar daran, dass sich die Deutsche Bank ganz allein retten kann. Und wieder kommt Kukies ins Spiel. Der Finanzstaatssekretär traf sich Anfang Januar mit Cerberus-Gründer Feinberg und einigen Bankenfachleuten. Das geht wiederum aus einem Antwortschreiben des Ministeriums an den Abgeordneten Gerhard Zickenheiner (Grüne) hervor. Bereits zuvor hatte es Termine mit dem Deutschland-Statthalter von Cerberus gegeben.

Finanzministerium wohl doch nicht einig

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Olaf Scholz. | Bildquelle: dpa

Bundesfinanzminister Olaf Scholz beklagt schon seit August, dass deutsche Banken nach der Finanzkrise hinter den Wettbewerbern zurückgefallen seien. Deshalb forderte er eine Diskussion, wie deutsche Institute wieder an Stärke gewinnen könnten. Auf einer Konferenz in London betonte er kürzlich die Aufgabe der Regierung, über die Entwicklung im Bankensektor zu diskutieren – auch eben bei einzelnen Häusern.

Ein nationaler Champion müsse die anderen Banken und Unternehmen global vertreten und unterstützen. Die Deutsche Bank und Commerzbank, einst die Vorzeigebanken der Republik, schrumpften an der Börse so sehr, dass sie im globalen Ranking lediglich irgendwo zwischen Platz 40 und 50 zu finden sind. Für internationale Riesen wäre eine Übernahme ein Schnäppchen – das wollen Scholz & Co. verhindern.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Anfang Februar sorgte schließlich die "Wirtschaftswoche" für neue Brisanz. Demnach wolle die Bundesregierung bis zur Europawahl in Mai eine Vorentscheidung über einen Zusammenschluss der beiden Geldhäuser treffen. Dabei soll laut Insidern eine Abbaubank die Altlasten und faulen Kredite, die sich zur Finanzkrise angehäuft hatten und zum Teil immer noch da sind, übernehmen. Scholz dementierte die Gerüchte mittlerweile. Lediglich die Banken selbst könnten über einen Zusammenschluss entscheiden.

Vor einigen Tagen wurde klar, dass selbst im Umfeld des so oft zitierten Finanzministers nicht alles für eine Fusion spreche. "Die Gerüchte um eine mögliche Fusion zwischen Deutscher Bank und der Commerzbank kommen zur falschen Zeit", sagte etwa der stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats Jörg Rocholl. Gerade erst habe die Deutsche Bank ihren ersten Gewinn seit Jahren erwirtschaftet und selbstgesteckte Kostenziele übertroffen. Man solle ihr und ihrer Führung Zeit geben, diesen Weg weiter zu beschreiten. Rocholl sehe keine ökonomisch plausible Begründung für eine Fusion.

Und was sagen die Banken selbst?

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing schlägt in die gleiche Kerbe. "Ich habe letztes Jahr gesagt, dass wir unsere Hausaufgaben machen müssen, da sind wir gut dabei, und darauf konzentrieren wir uns", betonte er kürzlich auf der Bilanzpressekonferenz. Über alles andere mache er sich aktuell keine Gedanken. Sewing weist eine Fusion in den nächsten 12 bis 18 Monaten vorerst von sich. Von einer möglichen Annäherung will er nichts wissen. Insider glauben allerdings, Gespräche würden immer wahrscheinlicher werden, sollte sich die Lage der Bank bis Ende März nicht verbessern.

Im vierten Quartal rutschte die Deutsche Bank wieder in die roten Zahlen. Ein schwächelndes Investmentbanking, die Verwicklung in die Geldwäsche-Affäre rund um die Danske Bank sowie zunehmender Druck aus den USA, wo der Kongress die Geschäftsbeziehungen zu Präsident Donald Trump untersucht. Das alles sorgt nicht gerade für eine Abkühlung der Krise.

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Martin Zielke. | Bildquelle: Unternehmen

Die Commerzbank betont ebenfalls, eigenständig bleiben zu wollen. Aber: Angesichts des schwierigen Umfelds wie der Negativzinsen im Euroraum und allgemeinem Preisdruck durch aufstrebende Startups und Zahlungsdienstleister sei es verständlich, dass es zu Spekulationen komme, sagte jüngst Commerzbank-Chef Martin Zielke. Konkreter wurde er bisher nicht.

Wie sinnvoll ist das Ganze?

Letztlich scheint alles offen. Auf der einen Seite die von der Politik gewollte Großbank mit zusammen 80.000 Mitarbeitern, 38 Millionen Privatkunden, mehreren zehntausend Firmenkunden und einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro. Dazu kommen Einsparungen bei Personalkosten sowie bei Investitionen in die dringend nötige Digitalisierung.

Kritiker zweifeln aber an dem Erfolg der neuen "Deutschlandbank“. Zwei wenig profitable Banken - die Deutsche Bank muss satte 92 Cent aufbringen, um einen Euro zu verdienen - sollen ein erfolgreiches Spitzenduo bilden? Zweifelhaft. Die beiden Banken sind schließlich immer noch Wettbewerber.

Darüber hinaus würden vermutlich mehrere Zehntausend Arbeitsplätze wegfallen. Der Umbau im IT-Bereich würde Jahre dauern und wäre alles andere als günstig. Dazu die höheren Kapitalanforderungen. Und für Banken das vermutlich Wichtigste: Experten rechnen erst in fünf Jahren durch sinkende Refinanzierungskosten mit einem Gewinn von mageren sechs Prozent. Fortsetzung folgt - garantiert.

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Ein nationaler Champion?