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Erneut schwere Vorwürfe gegen den Dax-Konzern Neuer FT-Bericht drückt Wirecard

Stand: 15.10.2019, 11:18 Uhr

Erneut werden Vorwürfe wegen Betrugs gegen Wirecard laut. Nach den jüngsten Bilanz-Vorwürfen der "Financial Times" stürzten die Titel des Dax-Konzerns um bis zu 23 Prozent ab.

Die Vorwürfe um Bilanzierungsprobleme beim Zahlungsdienstleister Wirecard reißen nicht ab. Interne Dokumente des Dax-Unternehmens sowie die Korrespondenz hochrangiger Manager der Finanzabteilung erweckten den Anschein, als könnten Umsätze und Gewinne und Dubai und Irland zu hoch ausgewiesen worden sein, berichtete die "Financial Times" am Dienstag.

Al Alam Solutions Schwerpunkt der Recherchen

Ein Schwerpunkt der Recherchen der "Financial Times" liegt auf dem in Dubai ansässigen Partnerunternehmen Al Alam Solutions. Das Blatt schreibt, dass 2016 die Hälfte des Gewinns von Wirecard durch das Unternehmen aus Dubai entstanden sei.

Wirecard-Firmensitz in Aschheim

Wirecard-Firmensitz in Aschheim. | Bildquelle: Imago

Laut dem Zeitungsbericht soll Al Alam nicht wie behauptet mit 34 Wirecard-Kunden zusammengearbeitet haben. Das Unternehmen aus Dubai arbeite nicht mit den größten Kreditkartenunternehmen Visa oder Mastercard zusammen. Es sei daher rätselhaft, warum Wirecard das Geschäft an das Partnerunternehmen abgibt. Die Gruppe Wirecard Processing habe einen eigenen Sitz zur Zahlungsabwicklung mit mehreren Mitarbeitern in Dubai, schreibt die "Financial Times".

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ARD-Börse: Geht bei Wirecard alles mit rechten Dingen zu?

In internen Dokumenten, die Mitglieder des Wirecard-Finanzteams der "Financial Times" geteilt haben sollen, sind Zahlungen von 34 Hauptkunden in Höhe von 350 Millionen Euro verzeichnet, die im Auftrag von Wirecard monatlich zwischen 2016 und 2017 im Namen von Al Alam eingehen. Das britische Blatt will herausgefunden haben, dass ein Großteil der Zahlungsabwicklung nie stattgefunden habe. Die "Financial Times" habe die 34 Kunden kontaktiert, 15 gaben an, noch nie von Al Alam gehört zu haben. Andere sechs Kunden lehnten die Anfragen der Zeitung offenbar ab und weitere fünf Kunden konnte die "Financial Times" laut dem Bericht nicht zurückverfolgen oder kontaktieren. Lediglich vier Kunden gaben gegenüber der Zeitung an, mit Al Alam zusammengearbeitet zu haben.

Wirecard dementiert Vorwürfe

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Eine Wirecard-Sprecherin bezeichnete den Bericht als "falsch und verleumderisch". Alle Zahlen des Konzerns, auch die in Dubai, seien im Rahmen des Konzernabschlusses geprüft. Die Wirecard-Aktie fiel am Dienstag nach Bekanntwerden des Artikels um über 20 Prozent auf den tiefsten Stand seit April. Mittlerweile haben sich die Titel des Dax-Unternehmens wieder leicht erholen können und notieren derzeit bei rund minus 18 Prozent.

Nicht der erste "Financial Times"-Bericht

Financial Times-Artikel zu Wirecard

Financial Times-Artikel zu Wirecard. | Bildquelle: Financial Times-Screenshot

Anfang des Jahres hatten Berichte der "Financial Times" rund um Bilanzierungsunregelmäßigkeiten in Singapur für Aufregung gesorgt. Damals brach die Aktie in einer guten Woche um teils fast die Hälfte ein. Wirecard hatte dann einräumen müssen, dass einige Posten bei einer Tochter tatsächlich falsch verbucht wurden, allerdings in geringerem Umfang als von der "Financial Times" suggeriert. Einige Mitarbeiter könnten sich in Singapur strafbar gemacht haben, systematische Luft- und Falschbuchungen schließt Wirecard aber aus.

Behörden ermitteln weiter wegen Marktmanipulation

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Die Wirecard-Aktie bricht ein

Der Fall beschäftigt weiter die Behörden. In Deutschland gehen Staatsanwaltschaft und Finanzaufsicht BaFin dem Verdacht unerlaubter Marktmanipulation durch Spekulanten nach. Wirecard geht auch rechtlich gegen Mitarbeiter der Londoner Zeitung vor, weil sie mit Spekulanten unter einer Decke stecken sollen. Die "Financial Times" sieht sich dagegen nach eigens in Auftrag gegebenen Untersuchungen einer Anwaltskanzlei von den Vorwürfen entlastet.

ms