Drei Hände läuten die Börsenglocke
Audio

Mehr Unternehmen wagen sich aufs Parkett Neuer Börsenboom in Deutschland?

von Notker Blechner

Stand: 09.01.2018, 08:27 Uhr

Aktien lohnen sich wieder: Seit sechs Jahren steigt und steigt der Dax. Der Höhenflug am deutschen Aktienmarkt lockt zunehmend auch deutsche Unternehmen an. 2018 könnte zum besten Jahr für Börsengänge seit dem Hype am Neuen Markt werden.

Kaum Zeit für Urlaub haben derzeit die meisten Investmentbanker und Berater. Denn das Geschäft mit Börsengängen ist wieder in Gang gekommen. Immer mehr deutsche Unternehmen wollen den Sprung aufs Parkett wagen. Listing-Experte Martin Steinbach von der Unternehmensberatung EY (früher Ernst & Young) rechnen mit 13 bis 18 Börsengängen für dieses Jahr - so viel wie seit über zehn Jahren nicht mehr. 2007 hatten noch 44 deutsche Firmen den Sprung an die Börse geschafft, ehe die Finanzkrise den Markt einbrechen ließ. Zeitweise herrschte totale Eiszeit am Markt für IPOs (Initial Public Offerings), die englische Bezeichnung für Börsengänge. Im vergangenen Jahr gingen zwölf deutsche Unternehmen aufs Parkett.

Bestes Jahr seit 2000?

Einige Investmentbanker und Berater fühlen sich gar schon an die Zeiten des Neuen Markts erinnert. Beim Gesamtvolumen der Emissionen nämlich könnte erstmals seit dem Jahr 2000 die Marke von zehn Milliarden Euro wieder übertroffen werden. Eine ganze Reihe von Schwergewichten hat sich für 2018 angekündigt: So will Siemens seine Medizintechnik-Sparte (Healthineers) an die Börse bringen, die Deutsche Bank plant den Börsengang ihrer Vermögensverwaltungstochter DWS. Und auch der Münchner Bremsenhersteller Knorr-Bremse sowie der Wissenschaftsverlag Springer Nature steuern IPOs mit einem Milliardenvolumen an.

Siemens bringt die Medizintechnik an die Börse

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
101,36
Differenz relativ
-0,88%

Absoluter Eisbrecher dürfte Siemens werden. Mit einem möglichen Volumen von sechs bis zehn Milliarden Euro wäre Siemens Healthineers der größte Börsengang seit dem IPO der Deutschen Telekom 1996. Die Mega-Emission soll laut Insidern noch vor Ostern über die Bühne gehen. Bereits Anfang März will Siemens den offiziellen Startschuss geben, vier Wochen später soll Healthineers das Börsendebüt feiern. Der Münchner Technologiekonzern wolle sich damit die gute Stimmung an der Börse zunutze machen. "Der Markt läuft gut, aber keiner weiß, wie lange, wenn die Leitzinsen steigen", sagt ein Insider.

Die weiteren Schwergewichte dürften im weiteren Verlauf des ersten Halbjahres an die deutsche Börse kommen. Die größte Nummer wäre Knorr-Bremse mit einem geschätzten Volumen von vier Milliarden Euro. Dahinter käme der Deutsche-Bank-Vermögensverwalter DWS mit angepeilten zwei Milliarden Euro. Der Wissenschaftsverlag Springer Nature und der Glücksspielkonzern Nomatic steuern auf ein Volumen von je einer Milliarde Euro zu.

Siemens Healthineers

Siemens Healthineers. | Bildquelle: Unternehmen

Der mögliche Boom bei Börsengängen könnte die Nachfrage nach deutschen Aktien weiter anheizen. Gerade im Ausland dürfte das Interesse am IPO von Siemens Healthineers groß sein. Neues ausländisches Geld würde dann in den deutschen Aktienmarkt fließen.

Weltweit so viele IPOs wie zuletzt 2007

Weltweit boomt der IPO-Markt bereits. 2017 gingen 1.624 Unternehmen an die Börse – so viel wie zuletzt 2007 nicht mehr. Sie sammelten insgesamt 189 Milliarden Dollar ein – 40 Prozent mehr als 2016. Größter Börsengang war der Messaging-Dienst Snap mit einem Volumen von 3,9 Milliarden Dollar.

2018 dürfte die weltweite Börsenlust der Unternehmen noch zunehmen. "Es ist weiter viel Liquidität im Markt, das Investorenvertrauen ist hoch, und die konjunkturellen Risiken halten sich in Grenzen", sagt EY-Experte Steinbach. Große Hoffnungen richten sich auf den Ölgiganten Saudi Aramco, den Saudi-Arabien zu einem kleinen Teil an die Börse bringen will. Das für das zweite Halbjahr geplante IPO soll ein Volumen von 100 Milliarden Dollar haben. Damit wäre es der größte Börsengang aller Zeiten.

Ebenfalls in den Startlöchern für einen Börsengang stehen der Bettenvermittler AirBnB, der Musik-Streaming-Dienst Spotify und der chinesische Konkurrent Tencent Music. Eine ganz große Nummer wäre auch das für 2018 angekündigte Börsendebüt des chinesischen Apple-Rivalen Xiaomi.