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Sammelklagen drohen Neuer Ärger für Wirecard

Stand: 13.02.2019, 20:06 Uhr

Schon wieder Wirecard: Nach dem Kurssturz der vergangenen Wochen wegen Berichten über mögliche Bilanzierungsverstöße in Singapur droht dem Zahlungsabwickler nun Ärger von amerikanischen Rechtsanwälten. Das Unternehmen gibt sich gelassen.

In den USA prüfen inzwischen mehrere Kanzleien Sammelklagen gegen das Dax-Unternehmen. Die erste Klage im Namen eines Anlegers, der sich durch irreführende oder falsche Angaben von Wirecard geschädigt sieht, wurde bereits am vergangenen Freitag bei einem Bundesbezirksgericht in Los Angeles eingereicht. Weitere könnten schnell folgen. Mehrere Kanzleien haben in den vergangenen Tagen Aufrufe gestartet, um von Kursverlusten betroffene Anleger als Mandanten zusammenzutrommeln.

Markus Braun, CEO Wirecard

Markus Braun. | Bildquelle: picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Unter den Anwälten die das Unternehmen ins Visier nehmen, ist auch die bekannte Kanzlei Hagens Berman, die schon etlichen anderen Konzernen wie etwa Volkswagen im "Dieselgate"-Skandal zu schaffen machte.

"Wir konzentrieren uns auf Verluste von Investoren, das Ausmaß, in dem die Unternehmensführung an Luftbuchungen beteiligt gewesen sein könnte, und die Frage, ob Anleger womöglich in die Irre geführt wurden", teilte Hagens-Berman-Partner Reed Kathrein mit.

"Keine Grundlage für potenzielle Klagen"

Wirecard blickt nach eigenen Angaben gelassen auf die drohenden Sammelklagen. "Da die Vorwürfe keine Grundlage haben, gibt es auch keine Grundlage für potenzielle Klagen in dieser Angelegenheit", sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch.

Berichte der "Financial Times" (FT) über Vorwürfe wegen angeblicher Kontomanipulationen und Dokumentenfälschungen gegen einen Wirecard-Mitarbeiter in Singapur hatten die Aktie zuletzt wiederholt kräftig unter Druck gebracht. Das Unternehmen hat interne und externe Untersuchungen eingeräumt. Allerdings habe die "FT" nur einen frühen Stand veröffentlicht, es habe keine schlüssige Feststellung eines Fehlverhaltens gegeben.

Wertpapiere als Platzhalter

In Singapur untersuchen die Behörden den Fall. Die Staatsanwaltschaft München hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen der Kursturbulenzen eingeleitet.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 16.00 Uhr: Wirecard-Aktie driftet weiter ab

Die Aktien von Wirecard sind zwar im deutschen Leitindex Dax gelistet, aber es gibt verschiedene Wertpapiere, die als Platzhalter in Form von Aktienhinterlegungsscheinen am amerikanischen Kapitalmarkt gehandelt werden. Deshalb könnten dem Unternehmen dort durchaus unangenehme und langwierige Verfahren drohen. Zunächst muss sich jedoch zeigen, wie viele der Kanzleien ernst machen und ob die zuständigen US-Gerichte entsprechende Sammelklagen gegen das deutsche Unternehmen zulassen.

Verdacht auf Marktmanipulation

Dass Leerverkäufer vom Wirecard-Drama profitieren, ist bekannt. Möglicherweise könnten einzelne "Short Seller" schon vor den Enthüllungen der "FT" informiert worden sein. Das zumindest meldete am Abend die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Laut dem Blatt soll der Staatsanwaltschaft München I die brisante Aussage eines Leerverkäufers vorliegen: Der Zeuge soll demnach zugegeben haben, vorab darüber informiert worden zu sein, wann die "Financial Times" in ihrer Onlineausgabe über Wirecard berichten würde. Damit könnte er "Frontrunning" begangen haben.

Laut der britischen Wochenzeitung "Financial News" hat sich die Commerzbank derweil für eine Äußerung ihrer Analystin Heike Pauls bei den Herausgebern der "Financial Times" entschuldigt und die entsprechende Analyse zurückgezogen. Pauls hatte in einer ersten Reaktion auf den Beitrag der "FT" vom 30. Januar erklärt, die Vorwürfe seien substanzlos und deren Autor Dan McCrum habe weitere "Fake News" produziert.

lg/la/nb