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In 1MDB-Skandal verwickelt Neuer Ärger für die Deutsche Bank

Stand: 11.07.2019, 14:05 Uhr

Im Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB ermitteln US-Behörden laut einem Zeitungsbericht auch gegen die Deutsche Bank. Der Dax-Titel steht weiter unter Druck.

Wie das "Wall Street Journal" schreibt, hat das US-Justizministerium Ermittlungen gegen die Deutsche Bank im Zusammenhang mit dem Finanzskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB eingeleitet. Die Behörde prüfe, ob das Geldinstitut durch seine Arbeit für den Fonds gegen Korruptions- und Anti-Geldwäsche-Gesetze verstoßen habe, berichtete die Finanzzeitung am Mittwoch. Die Deutsche Bank erklärte, sie kooperiere vollauf mit den Behörden und sei von 1MDB in die Irre geführt worden.

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Die Aktie hat auch am Donnerstag keinen leichten Stand. Mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 6,49 Euro gehört sie am Nachmittag zu den größten Dax-Verlierern.

Der malaysische Staatsfonds 1MDB steht im Zentrum eines der größten Betrugsskandale der Finanzgeschichte. Bis zu drei Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) sollen nach Angaben von malaysischen und US-Justizbehörden zwischen 2009 und 2014 veruntreut worden sein. Mit den Geldern sollen Regierungsbeamte bestochen, schwarze Kassen des damaligen Ministerpräsidenten Najib Razak finanziert und Schmuck, Gemälde und Immobilien für hunderte Millionen Dollar gekauft worden sein. Wichtige Bankgeschäfte für den Fonds wickelte die US-Investmentbank Goldman Sachs ab, gegen die Ermittlungen in den USA eingeleitet wurden.

Noch in kritischer Zeit für 1MDB tätig

Die Deutsche Bank hatte dem Staatsfonds laut "Wall Street Journal" noch 2014 bei der Beschaffung von Notkrediten über 1,2 Milliarden Dollar geholfen, als es bereits Bedenken wegen der Leitung und der Finanzdaten von 1MDB gegeben habe. Die Ermittlung gegen die Deutsche Bank wurde demnach vom ehemaligen Goldman-Sachs-Banker Tim Leissner unterstützt, der sich in dem Skandal schuldig bekannte.

Die Staatsanwaltschaft interessiert sich demnach für eine frühere Kollegin Leissners, eine ehemalige Mitarbeiterin der Deutschen Bank im Asien-Pazifik-Raum. Der Zeitung zufolge verließ die Bankerin Tan Boon-Kee das Geldinstitut vergangenes Jahr, nachdem herauskam, dass sie in Verbindung zu dem malaysischen Investor Jho Low stand, der eine zentrale Rolle in dem Skandal spielte.

Deutsche Bank sieht sich getäuscht

Die Deutsche Bank sieht sich selbst als Opfer: Wie aus Dokumenten des Justizministeriums hervorgehe, "hat 1MDB Sachverhalte im Zusammenhang mit seinen Transaktionen mit der Bank gegenüber Mitarbeitern der Deutschen Bank wesentlich falsch dargestellt und verschwiegen". Das treffe sich auch mit eigenen Untersuchungen der Bank. In einem Bericht des Ministeriums, der die Masche von 1MDB genau aufschlüsselt, kommt die Deutsche Bank laut "Wall Street Journal" 167-mal vor, Goldman Sachs nur 56-mal.

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ARD-Börse: Neuer Ärger für die Deutsche Bank - Verwicklung in Korruptionsskandal?

Deutschlands größtes Geldinstitut steckt in den USA bereits wegen verdächtiger Transaktionen beim Familienunternehmen von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und Berater von US-Präsident Donald Trump, in Schwierigkeiten. Die Bank wird verdächtigt, interne Berichte über fragwürdige Geldflüsse auf Konten von Firmen von Kushner und aus dem Trump-Konzern zurückgehalten zu haben.

Am Sonntag hatte die Deutsche Bank eine umfassende Neuaufstellung des Konzerns beschlossen. Im Zuge dessen sollen bis 2022 rund 18.000 Stellen wegfallen - bereits am Montag erhielten die ersten betroffenen Mitarbeiter ihre Kündigungen.

AFP/rtr/la