Hingucker der Woche

Wochenausblick Neue Zahlen, neue Enttäuschungen?

Stand: 14.07.2019, 11:20 Uhr

In der neuen Woche geht es wieder los mit den Quartalszahlen. Den Auftakt machen die Wall Street-Banken. Doch auch ein erstes Dax-Mitglied öffnet seine Bücher. Müssen sich die Anleger auf neue Gewinnwarnungen einstellen?

Nach den jüngsten Warnungen von Daimler und BASF fürchten Experten weitere Hiobsbotschaften. "Die jüngsten Unternehmenszahlen zeigen: Der Höhepunkt des globalen Wachstums ist vorbei", sagt Axel Cron, Chef-Anleger Deutschland bei der Vermögensverwaltung der Bank HSBC.

Frank Klumpp, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg, glaubt: "Vor dem Hintergrund der breiten Kundenbasis von BASF könnte sich die jüngste Meldung aus Ludwigshafen als ungünstiger Vorbote für die Dax-Berichtssaison entpuppen.“ Überrascht hat zudem das Ausmaß des erwarteten Gewinnrückgangs der Ludwigshafener - um bis zu 30 Prozent. Dabei waren Anleger bisher davon ausgegangen, dass sich die Konjunktur und damit auch die Unternehmensgewinne im zweiten Halbjahr wieder erholen würden.

"Gewinn-Fundament wird brüchig"

Inzwischen ist klar, dass die Dax-Unternehmen in diesem Jahr die im Januar prognistizierte Gewinnsteigerung von 11 Prozent verfehlen werden. "Vor allem hierzulande erscheint das Gewinn-Fundament brüchig", betont LBBW-Experte Klumpp. Bereits jetzt müssten die Analysten ihre Schätzungen kräftig nach unten korrigieren.

Investoren sorgen sich nicht nur um sinkende Renditen. Für Verunsicherung sorgen auch steigende Kosten als Folge der Handelskonflikte und anderen geoppolitischen Spannungen. Bei den Bilanzen werde die Qualität zunehmend wichtiger, sagt Commerzbank-Stratege Markus Wallner. Auf Kennzahlen wie Eigenkapitalquote und Nettoverschuldung werde stärker geachtet.

Aussicht auf lockere Geldpolitik hilft

Das einzige, was größere Kursrückschläge an der Frankfurter Börse momentan verhindere, sei die Aussicht auf eine lockerere Geldpolitik, sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Bei Investoren gilt eine Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) Ende Juli als ausgemacht.

Dax

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Auch Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), hat eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt für den Fall, dass die Konjunktur in der Eurozone einbrechen sollte. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schritts durch die Europäische Zentralbank (EZB) taxieren Investoren auf immerhin 35 Prozent. auch Draghis Nachfolgerin, Christine Lagarde, dürfte die expansive Geldpolitik fortsetzen.

US-Banken und SAP öfffnen ihre Bücher

Stützend auf die Kurse in Frankfurt wirkt auch die Wall Street. Dort haben die großen Indizes, allen voran der Dow Jones, in der vergangenen Woche neue Rekorde aufgestellt. Wie es weitergeht, dürfte auch von den gleich zu Beginn der neuen Woche erwarteten Quartalszahlen der großen Banken abhängen. So öffnen am Montag und Dienstag unter anderem Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley ihre Bücher. Ebenso im Fokus dürften in den USA die Zahlen von IBM, General Electric und Microsoft stehen, die ebnfalls in der neuen Woche erwartet werden.

In Deutschland macht der Software-Konzern SAP am Donnerstag den ersten Aufschlag. Analysten erwarten ordentliche Zahlen, die den Markt nicht enttäuschen dürften, da schon der Konkurrent Oracle wegen der gefragten Cloud-Dienste gut verdient hat.

Konjunkturdaten aus China

Daneben stehen zahlreiche Konjunkturdaten auf dem Terminplan. Bereits am Montag könnten frische Konjunkturdaten den Dax stark unter Druck setzen - oder deutlich anschieben. Vor Börseneröffnung "werden wir erfahren, wie stark die chinesische Volkswirtschaft im zweiten Quartal gewachsen ist", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Es sollte ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von mehr als sechs Prozent gemeldet werden. Das wäre ein solides Resultat, das trotz aller Unsicherheiten im Handelskonflikt mit den USA wahrscheinlich sei. Wenigstens verhandelten beide Seiten wieder miteinander.

Besondere Aufmerksamkeit dürften die Investoren dem Konjunkturbericht (Beigebook) der Fed widmen, der am Mittwoch veröffentlicht wird. Davon erhoffen sie sich Rückschlüsse über Zeitpunkt und Tempo der erwarteten US-Zinssenkungen.

ZEW-Index erwartet

Die US-Einzelhandelsumsätze am Tag zuvor werden sie unter den gleichen Gesichtspunkten unter die Lupe nehmen. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Am Dienstag wird außerdem der ZEW-Index veröffentlicht. Er spiegelt die Stimmung der deutschen Börsenprofis wider. Am Freitag verfallen Optionen auf Indizes und einzelne Aktien. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

lg/rtr/dpa

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