Wochenausblick
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business as usual Neue Wirtschaftsdaten bestimmen das Börsentempo

von Robert Minde

Stand: 22.09.2019, 12:32 Uhr

Die Börse wendet sich in der kommenden Woche nach den jüngsten Zinsfeiertagen wieder ihrem eigentlichen Brot- und Buttergeschäft zu - der Interpretation von harten Fakten.

Und damit wird sich zeigen, ob die zuletzt etwas in den Hintergrund getretenen Konjunkturängste der Anleger wieder in den Vordergrund rücken und den Bären in die Hände spielen. Gegen das süße billige Geld der Notenbanken haben sie bekanntlich eine schweren Stand, schlägt nun wieder ihre Stunde?

"Die gelassene Haltung der Anleger wird getestet", schrieb Investmentanalyst Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Selbst den jüngsten Ölpreisschock haben die großen Aktienindizes relativ gut weggesteckt.

Von Golf-Kriegs-Panik jedenfalls (noch) keine Spur, obwohl die Töne in der Krisenregion immer rauer werden. Der Dax hat seine technische Unterstützung bei 12.300 Punkten gut behauptet und sogar die Marke von 12.400 Zählern wieder zurückerobert.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
13.064,60
Differenz relativ
-0,31%

Spielverderber Ifo-Index?

Spätestens am Dienstag aber wird sich zeigen, ob die Anleger zumindest hierzulande etwas zu gelassen gewesen sind. Dann steht mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex der wohl wichtigste deutsche Konjunkturindikator auf der Agenda. Bleibt die Stimmung in den deutschen Chefetagen so mäßig wie zuletzt?

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ifo. | Bildquelle: ifo, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

"Die Anleger dürften hier keine allzu große Hoffnung auf positive Nachrichten haben", fuhr der LBBW-Experte fort. Eine negative Überraschung - also keine Stabilisierung, wie der Markt erwarte, sondern ein kräftiger Rückgang - könnte am Dax nicht spurlos vorübergehen.

Bereits am Montag gibt es schon von den Einkaufsmanagern sowohl für das Verarbeitende Gewerbe, als auch für die Dienstleister, erste Resultate für den September. Vor allem aus der Industrie gab es zuletzt Hiobsbotschaften, während die Dienstleister vergleichsweise gut dastehen. Auch in den USA werden die Indizes der Einkaufsmanager am Montag erwartet.

Eine Stimmungsverbesserung in der Industrie "wäre ein wichtiges Signal für Konjunktur und Aktienmarkt", sagte Chefstratege Robert Greil von Merck Finck Privatbankiers. Laut der Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba könnten beide Indikatoren signalisieren, dass das Stimmungstief im Euroraum allmählich überwunden wird.

Auch in Amerika rücken Konjunkturdaten in den Fokus. So Daten zum Wachstum des BIP im zweiten Quartal und zum Wochenschluss der Auftragseingang für langlebige Industriegüter und der Stimmungsindikator der Uni Michigan.

Was macht Donald Trump?

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Dass der amerikanisch-chinesische Handelsstreit immer mehr zur Hängepartie wird mit zuletzt fast stündlich wechselnden Nachrichten und Stellungnahmen der Beteiligten, damit wird die Börse aber weiter leben müssen (zuletzt gesehen am Freitag, als der Dow Jones auf die Nachricht hin, dass eine chinesische Handelsdelegation vorzeitig aus dem US-Bundesstaat Montana abgereist war, urplötzlich die Richtung drehte).

B5-Moderator Gabriel Wirth
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B5 Börse 21.13 Uhr: Handelskonflikt wieder im Vordergrund

Im Mittelpunkt steht aber Donald Trump. Bleibt er zumindest im Ton konziliant, stehen die Chancen für eine stabile Börse gar nicht so schlecht. "Die Anleger setzen darauf, dass es sich Donald Trump angesichts der im kommenden Jahr anstehenden Wahlen nicht leisten kann, dass die Kurse einbrechen und die US-Wirtschaft in eine Rezession schlittert", so Helaba-Analyst Markus Reinwand.

Aber bei Trump weiß man eben nie, auch wenn sich sein Gepolter langsam etwas abnutzt - zuletzt gesehen bei der Fed, dessen Führung sich wenig um die unterirdischen Ausfälle des Immobilientycoons aus dem Weißen Haus schert. Auch das Brexit-Drama und die Krise am Persischen Golf bleiben den Märkten natürlich als politische Themen "erhalten".

Kaum Unternehmensdaten

Aus dem Unternehmenssektor kommt in der letzten vollen Handelswoche des dritten Quartals nicht sehr viel. Aus heimischer Sicht beachtenswert ist der milliardenschwere Börsengang des Softwareunternehmens Teamviewer am Mittwoch, die Pressekonferenz der Commerzbank zum jüngsten Kahlschlag oder der Kapitalmarkt von Dax-Schwergewicht BASF am Freitag. In den USA werden am Dienstag nach Börsenschluss noch die Quartalszahlen von Adidas-Rivale Nike erwartet.

Am Montag werden die Indizes der Deutschen Börse und der europäischen Stoxx-Familie erstmals in neuer Zusammensetzung gehandelt. dabei ersetzt der Münchener Triebwerksbauer MTU den Industriekonzern Thyssenkrupp im Dax, das Papier der Deutschen Börse rückt in den europäischen Auswahlindex EuroStoxx 50 auf. Die Tokioter Börse ist wegen eines Feiertages am Montag geschlossen.