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Kursrally nach Kurssturz Neue Stellungnahme von Wirecard sorgt für Furore

Stand: 04.02.2019, 18:01 Uhr

Die Wirecard-Aktie steigt am Nachmittag stark an. Der Zahlungsabwickler hat die Berichte über finanzielle Unregelmäßigkeiten zurückgewiesen. Jetzt hat sich auch Firmenchef Markus Braun zu Wort gemeldet.

Die Wirecard-Aktie ging zum Wochenauftakt als Tagessieger im Dax durchs Ziel und gewann 13,7 Prozent auf 123,40 Euro. Damit holte das Papier in einer Gegenreaktion auf den Kurssturz vom Freitag einen Teil der Verluste wieder auf. Das Papier hatte bei hoher Volatilität zwischenzeitlich über 20 Prozent gut gemacht, nachdem es am Freitag noch gut 25 Prozent an Wert verloren hatte.

Wirecard-Chef Markus Braun betonte in einer Stellungnahme am frühen Nachmittag, dass er keine Auswirkungen auf die Berichterstattung des Unternehmens erwarte. Man könne "rasch wieder an die Arbeit gehen", sagte er weiter. Er erwartet ein baldiges Ende der Untersuchungen. Die Rechtsabteilung der Firma prüfe zudem rechtliche Schritte wegen der Berichterstattung der "Financial Times".

Interne Untersuchung: "Vorwürfe unbegründet"

Schon am Vormittag hatte das Unternehmen Vorwürfe zurückgewiesen, nach denen es in der Filiale in Singapur zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Demnach habe im April 2018 ein Mitarbeiter der Wirecard in Singapur gegenüber der lokalen Rechts- und Compliance-Abteilung Bedenken geäußert wegen angeblicher Handlungen eines Mitarbeiters des Finanzteams von Wirecard in Singapur.

Die Vorwürfe drehten sich um mögliche Regelverstöße im Bereich der Rechnungslegung für den Zeitraum 2015 bis 2018, hieß es. Dabei sei es um Umsätze von insgesamt 6,9 Millionen Euro und Gesamtkosten von 4,1 Millionen Euro gegangen. Außerdem stand demnach ein interner Transfer von geistigem Eigentum an Software im Wert von 2,6 Millionen Euro zur Debatte.

»Eine interne Untersuchung hat zu Nachweisen geführt, dass die Vorwürfe unbegründet waren. Darüber hinaus gab es Hinweise darauf, dass die Vorwürfe auch mit persönlichen Feindseligkeiten zwischen den beteiligten Mitarbeitern zusammenhängen könnten.«

Wirecard-Unternehmensmitteilung vom 4.2., 7:30 Uhr

Deja-vu-Erlebnis am Freitag

Wirecard habe daraufhin die Anwaltskanzlei Rajah & Tann am 18. Mai 2018 beauftragt, eine vollständige Untersuchung durchzuführen. Die Prüfung stehe nun kurz vor dem Abschluss. Bisher hätten weder die interne Compliance-Abteilung von Wirecard, noch Rajah & Tann schlüssige Feststellung für ein strafbares Fehlverhalten von Führungskräften oder Mitarbeitern des Unternehmens gefunden.

Markus Braun, CEO, Wirecard

Markus Braun. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Der Zahlungsdienstleister sprach von einer "irreführenden Berichterstattung der Financial Times". Wirecard-Chef Markus Braun wehrte sich auch persönlich gegen die Vorwürfe. "Wir haben alles aufgearbeitet. Es gibt keinerlei Risiko. Wir mussten in der Buchhaltung keinerlei Korrekturen oder Anpassungen vornehmen", sagte er dem "Handelsblatt".

Nach Berichten in der "Financial Times" über finanzielle Unregelmäßigkeiten und kriminelle Machenschaften bei dem Dax-Konzern war der Wirecard-Kurs am Mittwoch um bis zu 25 Prozent und am Freitag nochmals über 30 Prozent eingebrochen.

Kurskapriolen: Deutsche Börse gibt sich gelassen

Markus Gürne
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Wirecard kämpft um Vertrauen

Die Finanzaufsicht BaFin prüft den Fall routinemäßig auf Marktmanipulation - solche Kursturbulenzen sind vor allem bei Mitgliedern im Leitindex Dax höchst ungewöhnlich. Trotz der massiven Schwankungen der Wirecard-Aktie in der vergangenen Woche sieht die Deutsche Börse keinen Anlass einzugreifen. Man beobachte aufmerksam die starken Kursbewegungen des Papiers, sagte Deutsche-Börse-Sprecher Andreas von Brevern dem Finanzportal "boerse-online.de".

Unterdessen will die Polizei in Singapur die "Financial Times"-Berichte prüfen. "Die Polizei schaut sich das an", teilte eine Sprecherin mit.

ag/rm