Rabattaktion in einem Gerry Weber-Laden in Berlin
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Umbau im Management Gerry Weber: Heute mal Kursrakete

Stand: 04.10.2018, 14:00 Uhr

Sind die Webers schuld an der enttäuschenden Entwicklung ihres Modekonzerns Gerry Weber? Die Börse scheint das zu glauben, denn der Rückzug des letzten Familienmitglieds aus dem Vorstand befeuert den Aktienkurs. Analysten teilen die Euphorie allerdings nicht.

Mit einem Aufschlag von rund 25 Prozent auf 3,35 Euro verschaffen die Titel des Modekonzerns Gerry Weber den Anlegern wahre Glücksgefühle – jedenfalls heute. Auf längere Sicht sieht die Performance hingegen übel aus. Gegenüber dem Rekordhoch von fast 40 Euro aus dem Jahr 2014 steht trotz der aktuell starken Erholung immer noch ein Wertverlust von über 90 Prozent zu Buche.

Jüngst waren die Aktien bis auf 2,56 Euro gesunken – der tiefste Stand seit mehr als 15 Jahren. Das dritte Geschäftsquartal war schlecht ausgefallen. Anschließend hatte der Damenmode-Hersteller aus dem westfälischen Halle bekannt gegeben, ein Sanierungsgutachten zur Unterstützung des derzeit laufenden umfassenden Umbaus in Auftrag gegeben zu haben - ein weiteres Warnzeichen auch dem langen Weg des Niedergangs.

Gerry Weber

Gerry Weber. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kein Weber mehr im Vorstand

Heute teilte Gerry Weber mit, dass sich Firmenmitgründer Gerhard Weber, der noch vor kurzem das operative Geschäft führte, ganz aus dem Unternehmen zurückzieht. Sein Sohn Ralf Weber, der ihn Anfang 2015 als Vorstandschef abgelöst hatte, hat mit dem Wechsel in den Aufsichtsrat künftig weniger im Tagesgeschäft zu sagen. Zudem zieht ein auf die Sanierung von Unternehmen spezialisierter Experte in das Management ein.

Damit sitzt kein Familienmitglied mehr im Vorstand. Der am Dienstag beschlossene Umbau dient laut dem Aufsichtsrat der „forcierten Neuausrichtung des Unternehmens“.

Gerry Weber-Chef Ralf Weber

Ralf Weber. | Bildquelle: Imago

Fachleute sind zurückhaltender  

Analysten begrüßten zwar die personellen Veränderungen, die auch den Abschied des letzten Mitglieds der Gründerfamilie aus dem Vorstand beinhalten. Sie teilten aber die Euphorie der Anleger nicht: Sowohl die Commerzbank als auch die Investmentbank Equinet und die Privatbank Hauck & Aufhäuser blieben bei ihren Verkaufsempfehlungen für die Aktie.

Die enge Verknüpfung der Familie mit dem Tagesgeschäft habe radikaleren Reformen in den vergangenen Jahren im Weg gestanden, weshalb der Vorstandsumbau positiv sei, schrieb Hauck-Experte Christian Salis. Er bleibe angesichts der weiter bestehenden Herausforderungen mit Blick auf die Aktie aber vorsichtig. Die Umstrukturierung des Unternehmens werde Zeit benötigen und der deutsche Markt bleibe schwierig, pflichtete Sabrina Reeh von der Commerzbank bei.

ts/dpa-AFX