Commerzbank-Logo an einer Hochhausfassade in Frankfurt
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Ist die UniCredit doch interessiert? Neue Kaufgerüchte um Commerzbank

Stand: 14.05.2019, 15:32 Uhr

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat erbitterten Widerstand gegen eine mögliche Fusion der Commerzbank mit einem italienischen Rivalen angedroht. Und doch treibt angeblich die UniCredit ihre Kaufpläne voran.

UniCredit habe die Investmentbanken Lazard und JPMorgan als Berater für eine mögliche Übernahmeofferte engagiert, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.

Der Mailänder Finanzkonzern, der 2005 bereits die Münchener HypoVereinsbank (HVB) schluckte, ist schon seit längerem an einem Ausbau seines Deutschland-Geschäfts interessiert. Ein Zusammenschluss mit der Commerzbank würde zu dem Ziel von UniCredit-Chef Jean Pierre Mustier passen, die Abhängigkeit vom italienischen Heimatmarkt weiter reduzieren.

Asmussen soll Vermittler spielen

Die Investmentbank Lazard, für die der ehemalige Finanzstaatssekretär und Notenbanker Jörg Asmussen arbeitet, solle helfen, skeptische Politiker in Berlin für eine Fusion der Commerzbank mit den Italienern zu gewinnen, sagte einer der Insider.

Der Staat hat bei der zweitgrößten deutschen Privatbank ein gewichtiges Wort mitzureden, da er nach der Rettung des Instituts in der Finanzkrise immer noch 15,6 Prozent besitzt. UniCredit, JPMorgan, Lazard, die Commerzbank und das Bundesfinanzministerium lehnten eine Stellungnahme ab.

"Es wird Blut fließen"

Insidern zufolge ist neben UniCredit auch die niederländische ING an der Commerzbank interessiert. Das Frankfurter Institut selbst hat zuletzt versucht, Fusionsspekulationen zu dämpfen. Er sehe im Moment kein großes Bieterrennen auf die Commerzbank zukommen, sagte Finanzchef Stephan Engels vergangene Woche. "Ich höre hier jetzt nichts klopfen", sagte Engels, als er gefragt wurde, welche Auslandsbanken bei der Commerzbank Interesse angemeldet hätten.

Die Gewerkschaft Verdi hat bereits Widerstand angekündigt. "Bevor wir mit Italienern fusionieren, würde sehr viel Blut fließen", hatte Commerzbank-Aufsichtsratsmitglied Stefan Wittmann am Montag gesagt. Das Beispiel der Münchner HypoVereinsbank zeige, dass nach einer Übernahme durch die UniCredit "nicht mehr viel übrig bleibt".

Wunschpartner ING

Es könnte aber Modelle ausländischer Interessenten geben, die die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat womöglich mittragen würde, ergänzte Wittmann. Dies sei zum Beispiel denkbar, wenn die übernehmende Bank ihren Firmensitz nach Deutschland verlagern würde und die Commerzbank eine eigenständige Marke bleibe. Entsprechende Vorschläge hat angeblich die ING gemacht. Entscheidend sei aber die Frage, wie durch einen Zusammenschluss der Ertrag gesteigert werden könnte.

Am Frankfurter Aktienmarkt stößt die Meldung über ein Interesse der UniCredit auf ernsthaftes Interesse. Die im MDax notierte Commerzbank-Aktie legt am Nachmittag über fünf Prozent zu.

lg/rtr