Der (Jahresend-Rally-)Berg ruft Neue Hochs in Sicht

Stand: 17.11.2019, 11:15 Uhr

Wie lange hält die Herbst-Rally noch an? Nach sechs Gewinnwochen in Folge wird für Dax, Dow & Co die Luft allmählich dünner. Anleger bleiben optimistisch. Ein möglicher Handelsdeal zwischen USA und China und gute Konjunkturdaten könnten neuen Schub bringen.

Eigentlich ist erst in gut fünf Wochen Weihnachten. An den Börsen gibt's jedoch jetzt schon vorzeitige Bescherung. Vor allem an der Wall Street. Dort kletterte der Dow in der abgelaufenen Woche um ein Prozent nach oben und überwand erstmals in seiner Geschichte die Marke von 28.000 Punkten. Auch S&P 500 und die technologielastige Nasdaq erreichten neue Höchststände.

Dax müht sich zur sechsten Gewinnwoche in Folge

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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+0,86%

Nur der Dax hinkte ein bisschen hinterher. Er kam in der vergangenen Woche kaum vom Fleck, schaffte aber immerhin noch ein kleines Wochenplus von 0,1 Prozent. Damit setzte er seine tolle Bilanz fort: Der deutsche Leitindex stieg die sechste Woche in Folge. Seit Anfang Oktober hat der Dax über 11 Prozent gewonnen.

Mehrere Anlagestrategen setzen auf eine Jahresendrally. Rückenwind erhielten die Aktienmärkte von der Konjunktur, den niedrigen Zinsen und den Firmenbilanzen, sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Es "sieht es keineswegs so trüb aus wie viele meinen", sagt er. Das Wachstum habe sich in den großen Volkswirtschaften zwar abgeschwächt, stabilisiere sich aktuell aber gerade klar oberhalb des Rezessionsniveaus.

"Frühindikatoren hellen sich auf"

"Tatsächlich hellen sich die weltweiten Frühindikatoren auf", meint Robert Halver von der Baader Bank. Laut den von der Citigroup veröffentlichten ökonomischen Überraschungsindices, die die Abweichungen harter Konjunkturdaten von den zuvor getroffenen Analysteneinschätzungen messen, lassen in Europa die Enttäuschungen der "harten" konjunkturellen Datenlage spürbar nach, während sie in den USA kaum noch positiv überraschen. Zuletzt haben erste deutsche Frühindikatoren wie der ZEW-Index gedreht.

Die Aktienmärkte würden vorerst sicher auf Tuchfühlung mit ihren Rekordhochs bleiben, sagt Analyst Jan Nießen von der Weberbank. Angesichts der niedrigen und teilweise sogar negativen Anleihe-Renditen dränge weiteres Kapital in Dividendentitel. "Wie lange dies allerdings als Treiber der Kurse Bestand hat oder ob die schwächeren Fundamentaldaten und die anhaltende Unsicherheit irgendwann doch die Oberhand gewinnen, ist schwer zu prognostizieren."

Warten auf den Weißen Rauch aus Washington

Es ist vor allem der Handelsstreit zwischen USA und China, der die Anleger in Atem halten wird. Sollte es hier endlich zum seit langem ersehnten Durchbruch, sprich zur Unterzeichnung eines Teilabkommens kommen, dürften die Börsen weiter nach oben klettern. "Weiterhin warten die Finanzmärkte auf weißen Rauch aus Washington, was eine erste Einigung im Handelsstreit mit China angeht", schreibt Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Dem Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, zufolge, könnte eine Einigung im Handelsstreit schon bald stehen.

Die herben Niederlagen, die seine Republikaner kürzlich bei den Gouverneurswahlen in ihren Hochburgen Virginia und Kentucky einsteckten, zeigen Trump, was ihm am 3. November 2020 blüht, wenn es zu handelsseitigen Reibungsverlusten in der US-Konjunktur und am Aktienmarkt käme. Dass insofern ein bisschen Handels-Frieden Trump ganz persönlich zugutekäme, spricht dafür, dass es ein bisschen Pax Trump geben wird, glaubt Anlagestratege Halver.

Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners, warnt aber vor allzu großer Zuversicht. "Es scheint, als hätten alle vergessen, wie häufig diese Hoffnung bereits enttäuscht wurde. Ich empfehle deshalb, den Deal erst dann zu feiern, wenn die Tinte getrocknet ist."

Fed-Protokoll, US-Frühindikatoren und Stimmungsbarometer

Einige Konjunkturdaten könnten in der nächsten Woche für Bewegung an den Aktienmärkten sorgen. So stehen die US-Frühindikatoren und das Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von Philadelphia am Donnerstag auf der Agenda. Hinweise auf die Entwicklung der US-Zinsen erhoffen sich Investoren von den sogenannten Fed-Minutes am Mittwoch. Sie werden die Protokolle der jüngsten geldpolitischen Beratungen der US-Notenbank genau unter die Lupe nehmen.

Diesseits des Atlantiks werden am Freitag die Barometer für die Stimmung der deutschen und europäischen Einkaufsmanager bekanntgegeben. Am interessantesten dürften die Daten in der Industrie sein. Die jüngsten Frühindikatoren deuten laut Helaba daraufhin, dass der Tiefpunkt der konjunkturellen Entwicklung in der Industrie erreicht ist.

Berichtssaison fast zu Ende

Mit der auslaufenden Bilanzsaison stehen nur noch wenige Unternehmenszahlen auf dem Terminplan. Unter anderem öffnet in der neuen Woche Thyssenkrupp die Bücher. Da der Mischkonzern die Börse bereits auf schwache Zahlen vorbereitet hat, erwarten Anleger von der neuen Chefin Martina Merz Aussagen zur Sanierung des angeschlagenen Industriekonzerns. Außerdem erhoffen sie sich Details zum möglichen Verkauf der Aufzugssparte.

nb