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Techgiganten drängen in die Finanzbranche Amazon & Co: Neue Gefahr für die Banken?

Stand: 20.11.2019, 08:37 Uhr

Deutschlands Banken brechen die Einnahmen weg, während sie gleichzeitig mit hohen Kosten zu kämpfen haben. Nun droht auch noch Konkurrenz durch die großen Tech-Konzerne.

Sollten Apple, Google und Amazon noch stärker auf den Bankenmarkt drängen wie derzeit, droht den traditionellen Geldhäusern Ungemach. Die bisherige Ordnung in der Finanzwelt werde dadurch womöglich auf den Kopf gestellt, warnte der Chef des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, Pablo Hernandez de Cos, auf einem Kongress in Frankfurt.

Gegenwärtig stünden Banken noch im Zentrum der Branche. Sie könnten jedoch bei Bezahldienstleistungen in eine untergeordnete Rolle gedrängt werden, da diese selbst von Technologiekonzernen angeboten werden.

Große Herausforderung

"Wir untersuchen sorgfältig die Risiken und Gelegenheiten solcher Entwicklungen für Banken und Aufseher", sagte de Cos, der Gouverneur der Notenbank Spaniens ist und seit März den Ausschuss leitet. Dieser erarbeitet die globalen Standards für die Bankenaufsicht und hat seinen Sitz bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel.

Für die Bankenaufseher ist das Vorpreschen der Technologiefirmen laut Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling eine große Herausforderung. Mit der Verlagerung von Finanzdienstleistungen aus der herkömmlichen Bank heraus würden diese auch der Regulierung und Aufsicht entzogen, sagte er auf derselben Veranstaltung laut Redetext.

Kreditvolumen verzehnfacht

Aufseher hätten zwar keine Präferenz für alte oder neue Anbieter. "Aber wir werden alle Anstrengungen unternehmen, den aufsichtlichen Raum zu schützen," sagte er. Experten warnen bereits seit einiger Zeit davor, dass durch neue digitale Finanzdienste die traditionellen Geschäftsmodelle der Banken unter Druck geraten.

Nach Daten des Basler Ausschusses wurden allein 2018 weltweit rund 120 Milliarden Dollar in Finanztechnologie investiert. Seit 2014 sind es 380 Milliarden Euro. Das Gesamtvolumen neuer Kredite, die von Fintech-Firmen und Technologieriesen ausgegeben wurden, lag den Daten zufolge 2017 schon bei über 500 Milliarden Dollar. Das ist eine Verzehnfachung im Vergleich zu 2014.

Stärkste Konkurrenten

Auch Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der privaten Banken, räumt ein, dass Konzerne wie Google, Facebook und Apple zu den stärksten Konkurrenten der traditionellen Geldhäuser werden, weil sie den Umgang mit riesigen Datenmengen beherrschen. Eine Herausforderung, der sich die Banken stellen müssten.

Die Annahme, Fintechs würden Banken überflüssig machen, sei aber nicht eingetreten. "Hier stehen die Zeichen eher auf Kooperation", sagte Krautscheid bereits im Sommer der Funke Mediengruppe. Ganz anders die großen Tech-Konzerne. Die seien zwar keine Banker und hätten noch keine Marktanteile im Bankensektor. "Aber sie sind eine Macht in der digitalen Welt". Die Bankenwelt bleibt also weiter unter Druck.

lg/rtr