Szene aus Sacred Games-Serie von Netflix
Audio

Aktie stürzt ab Netflix – wer will das schon sehen?!

Stand: 17.07.2018, 07:45 Uhr

Der unrühmliche Abgang von "House of Cards"-Star Kevin Spacey hat ein Loch bei Netflix hinterlassen. Experten bemängeln einen Mangel an frischem Content. Ist die Zeit des rasanten Wachstums jetzt vorbei?

Ein Blick auf die Abonnentenzahlen fällt jedenfalls äußerst ernüchternd aus: Das US-Filmportal gewann im zweiten Quartal auf dem US-Heimatmarkt lediglich 670.000 neue Nutzer hinzu, international waren es 4,47 Millionen.

Analysten hatten dagegen mit 1,2 Millionen neuen Abonnenten in den USA und 4,97 Millionen weltweit gerechnet.

Netflix-Abonnenten weltweit

Netflix-Abonnenten weltweit. | Bildquelle: Netflix, Grafik: boerse.ARD.de

Ein geknickter Chef

"Wir hatten ein starkes, aber kein herausragendes Quartal", räumte Netflix-CEO Reed Hastings ein und gab zu, sich bei seinen Vorhersagen verkalkuliert zu haben.

Auch der Ausblick auf das dritte Quartal fiel enttäuschend aus: Netflix geht für das laufende Vierteljahr von fünf Millionen neuen Nutzern aus. Analysten hatten bislang mit 6,3 Millionen Nutzern gerechnet.

House of Cards-Film auf einem Smartphone

"House of Cards" hatte Netflix groß gemacht . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zu wenig, zu langweilig

Auf der Suche nach Gründen für das desaströse Abschneiden des einstigen Anlegerlieblings verweisen Experten auf den Mangel an frischem Content. Netflix hat im vergangenen Quartal für seine Verhältnisse recht wenige neue Inhalte lanciert.

Es gab keine neuen Staffeln von Serien-Hits wie "Stranger Things". Die neue Season von "House of Cards" wird nur mit großer Verspätung anlaufen, nachdem Netflix seinen Serienstar Kevin Spacey nach zahlreichen Vorwürfen sexueller Übergriffe gefeuert hatte.

Lückenbüßer nicht in Sicht

Es gibt begründete Zweifel, dass die neue und letzte Staffel von "House of Cards" das starke Momentum der früheren Staffeln aufrecht erhalten und neue Abonnenten anlocken kann. Auf einen neuen spektakulären Serien-Hit, der diese Lücke schließen könnte, warteten Zuschauer – wie Anleger – bislang vergebens.

Das schürt Sorgen, dass die Zeiten des starken Wachstums bei Netflix vorbei sein könnten. Zumal sich der Streaming-Marktführer einer wachsenden Konkurrenz gegenüber sieht: Amazon steckt immer mehr Geld in die Produktion exklusiver Inhalte, bald will auch Unterhaltungsgigant Disney einen eigenen Streaming-Service starten.

Harsche Börsenreaktion

Vor diesem Hintergrund wundert die harsche Reaktion der Börse auf die vorgelegten Quartalszahlen kaum: Die Netflix-Aktie stürzte im nachbörslichen US-Handel um 14,1 Prozent ab auf 343,89 Dollar.

Die Netflix-Aktie gehörte bis dato mit einem Plus von 108 Prozent seit Jahresbeginn zu den besten Titeln des laufenden Börsenjahres am amerikanischen Aktienmarkt. Erst Ende Juni hatte sie bei 423,21 Dollar ein frisches Rekordhoch aufgestellt.

ag

1/32

Netflix: Vom Video-Verleih zum Weltkonzern Die Eroberung der Fernsehwelt

Netflix-Gründer Reed Hastings

Visionär Reed Hastings
Netflix gibt es schon seit 1997. Damals war es noch üblich, sich Filme in einer Videothek auszuleihen. Reed Hastings, ein Software-Programmierer und Geschäftsmann, kam die Idee einer bequemeren Alternative: Ein Online-Filmverleih, über den man Videokassetten und DVDs ausleiht, ohne in den Laden gehen zu müssen.