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Riesiger Wachstumssprung Netflix gefällt den Anlegern wieder

Stand: 17.10.2018, 07:26 Uhr

Nachdem Netflix im zweiten Quartal für eine herbe Enttäuschung sorgte, weil die Nutzerzahlen nur mäßig gestiegen waren, zeigen die Zahlen des dritten Quartals, dass der Streaminganbieter seine Wachstumsgrenzen noch lange nicht erreicht hat.

Tatsächlich hat der Online-Filmanbieter knapp sieben Millionen neue Nutzer gewonnen - zwei Millionen mehr als das Unternehmen selbst erwartet hatte. Auch die Analysten hatten mit diesem Wachstum nicht gerechnet. Damit hat das Filmportal weltweit 137 Millionen Zuschauer. Die Zahlen überzeugten auch die Anleger: nach der Enttäuschung im vorangegangenen Quartal machte die Netflix-Aktie nun einen Freudensprung und stieg im nachbörslichen New Yorker Handel die Netflix-Aktie um 14 Prozent.

Szene aus Sacred Games-Serie von Netflix

Netflix. | Bildquelle: picture alliance/Everett Collection

Der Umsatz sprang im Jahresvergleich um 34 Prozent auf knapp vier Milliarden Dollar. Der Gewinn war mit 403 Millionen Dollar mehr als drei Mal so hoch wie vor einem Jahr. Besonders profitabel ist Netflix dabei auf dem Heimatmarkt, wo der Überschuss doppelt so hoch ausgefallen ist als im Ausland.

Acht Milliarden Dollar Investitionen

Netflix erklärt den Erfolg mit den Investitionen von mehr als acht Milliarden Dollar in Fernsehserien und Filme allein in diesem Jahr. Im dritten Quartal bot es die bislang größte Auswahl an Eigenproduktionen an. Dazu zählen neue Staffeln von "Orange is the new Black" und "BoJack Horseman".

Im abgelaufenen Quartal zeigte Netflix seinen US-Kunden Analystenberechnungen zufolge 676 Stunden mehr Eigenproduktionen - ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von 135 Prozent. Mittlerweile beschränkt sich das nicht mehr auf Serien wie „House of Cards“ oder „The Crown“, sondern es gibt auch eigene Filme, Dokumentationen, Talk-Shows und Reality-Formate.

Werden steigende Zinsen zum Problem?

Für das laufende Quartal rechnet das Unternehmen mit 1,8 Millionen neuen Kunden in den USA und 7,6 Millionen Neu-Abonnenten in anderen Ländern. Im zweiten Quartal hatte Netflix die Markterwartungen bei Neukunden verfehlt, woraufhin die Aktie einbrach.

Um das rasante Wachstum bei Shows und Spielfilmen zu bezahlen, hat Netflix sich Geld besorgen müssen. In weniger als drei Jahren gab das Unternehmen Anleihen im Nettoumfang von 7,5 Milliarden Dollar aus. Dies könnte Experten zufolge zu einem Problem werden. "Steigende Zinsen könnten Netflix zunehmend anfällig für höhere Kapitalkosten machen", sagte Tuna Amobi von der Anlageberatungsfirma CFRA. Außerdem sieht sich Netflix der Konkurrenz finanzstarker Unternehmen wie Amazon ausgesetzt. Zudem planen Walt Disney und AT&T für das kommende Jahr eigene Streamingdienste. Auch Apple arbeitet an eigenen Seiten.

Sollte sich der kräftige Anstieg des Aktienkurses fortsetzen, hat das Unternehmen nun wieder beste Chancen, sich den Titel des teuersten Medienkonzerns der Welt - noch vor Walt Disney - zurückzuholen, den es in diesem Jahr kurzzeitig schon einmal hatte. Morgan Stanley hat das Kursziel für Netflix nach den Zahlen bereits angehoben, auf 475 Dollar.

lg/rtr/dpa

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