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Schwach auf dem Heimatmarkt, stark in anderen Märkten Netflix: Ende der fetten Jahre in Sicht

Stand: 22.01.2020, 07:55 Uhr

Der Streaming-Riese Netflix hat zum Jahresende überraschend viele neue Kunden angelockt - in Europa und Asien. In den USA wächst das Unternehmen langsamer.

Für das vierte Quartal gab der Film- und Seriendienst am Dienstag nach Börsenschluss 8,8 Millionen neue zahlende Kunden weltweit bekannt, mehr als die laut Refinitiv erwarteten 7,6 Millionen. Damit übertraf Netflix die eigene Prognose und auch die Markterwartungen. Ende 2019 brachte es das Unternehmen auf gut 167 Millionen bezahlte Mitgliedschaften.

Allerdings kamen in den USA nur 420.000 Abos hinzu statt wie vorhergesagt 659.600. Netflix sieht sich auf seinem Heimatmarkt inzwischen mit Angeboten von Disney und Apple konfrontiert.

Weniger Wachstum angepeilt

Der Gesamtumsatz stieg auf 5,5 Milliarden Dollar nach 4,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum und lag damit leicht über den Expertenerwartungen. Der Nettogewinn stieg auf 587 Millionen Dollar oder 1,30 Dollar je Aktie nach 0,30 Dollar je Aktie. Hier waren 0,53 Dollar erwartet worden.

Auch beim Ausblick auf das laufende Vierteljahr blieb Netflix unter den Erwartungen. Die Firma stellt einen globalen Zuwachs von sieben Millionen Kunden in Aussicht - deutlich weniger als von Analysten erwartet.

Übersättigter US-Markt

Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2019 waren 8,9 Millionen neue Abonnenten hinzugekommen. Das Problem: Der US-Markt ist inzwischen relativ übersättigt. Hinzu kommt, dass neue Konkurrenten wie Disney, Apple, Viacom oder Comcast, aber auch etablierte Rivalen wie Amazon oder Hulu Netflix mit ihren Streaming-Services preislich unterbieten - zum Teil erheblich.

Im Brief an die Aktionäre gibt sich Netflix dennoch kämpferisch. "Wir haben einen großen Vorsprung beim Streaming und werden darauf aufbauen, indem wir uns auf das konzentrieren, auf das wir uns die letzten 22 Jahre konzentriert haben - unsere Kunden zufriedenzustellen."

Produktionsbudget von 15 Milliarden Dollar

Netflix-Monitor spiegelt sich in einer Brille

Netflix. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Allerdings räumte Finanzchef Spencer Neumann bei einer Telefonschalte nach der Bilanzvorlage ein, dass es angesichts des verschärften Konkurrenzkampfes und der vergleichsweise hohen Preise von Netflix bereits eine etwas erhöhte Abwanderungsrate von Kunden gegeben habe.

Um die Konkurrenz auf Distanz zu halten, greift Netflix tief in die Tasche. Im vergangenen Jahr leistete sich das Unternehmen ein Produktionsbudget von 15 Milliarden Dollar, 2020 könnte noch mehr ausgegeben werden. Doch auch mit all dem Geld lässt sich nicht alles kaufen. Die Rechte an zwei der beliebtesten Shows hat Netflix verloren - "Friends" wird künftig beim Erzrivalen HBO laufen und "The Office" ab 2021 beim neuen Comcast-Service Peacock.

An der Börse drehte die Aktie am Abend kurzzeitig ins Minus, wenngleich sich der Kurs rasch wieder erholte. Insgesamt ist Netflix an der Wall Street jedoch schon länger kein Überflieger mehr - die US-Börsenrally des vergangenen Jahres ging am Streaming-König aus dem kalifornischen Los Gatos vorbei.

lg