Netflix-Serie The Crown
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Rekord-Jahr für Netflix Netflix, der Sonnenkönig der Streamingbranche

von Angela Göpfert

Stand: 23.01.2018, 08:13 Uhr

Der Streamingdienst Netflix hat seinen Gewinn 2017 nahezu verdreifacht. Das weckt Begehrlichkeiten. Amazon, Google und Disney scharren schon mit den Füßen. Doch Netflix hat gegenüber der Konkurrenz einen großen Vorteil.

Seine loyale Fan-Basis. Obwohl Netflix seine Abo-Preise in den USA im Oktober erhöht hat, hielten ihm die Kunden die Stange. Mehr noch: Der Streamingdienst konnte im vierten Quartal sogar 8,3 Millionen neue Kunden hinzugewinnen. Erfolgreiche Eigenproduktionen wie die Serien "The Crown" und "Stranger Things" zogen die Zuschauer geradezu magisch an.

Der Gewinn schnellte auf Jahressicht um nahezu 200 Prozent in die Höhe auf 185,52 Millionen Dollar, wie Netflix am Montagabend nach US-Börsenschluss mitteilte. Die Aktie kletterte daraufhin auf ein Rekordhoch, erstmals war Netflix an der Börse mehr als 100 Milliarden Dollar wert.

Exklusive Inhalte kommen bei Millennials gut an

Doch was macht Netflix eigentlich so erfolgreich? Als Pionier der Streamingbranche ist Netflix zunächst eine Marke. Eine Marke, die laut BrandZ 2017 ihren Wert um 30 Prozent steigern konnte auf zwölf Milliarden Dollar.

Eine Marke, die zudem für exklusive, originale Inhalte steht. Aus einem Experiment mit selbst produzierten Serien und Filmen ist binnen nur fünf Jahren ein Unternehmen gewachsen, das mehr als die Hälfte seiner Inhalte selbst produziert.

Inhalte, die wiederum bei der jüngeren Generation großen Anklang finden. Laut einer Studie von 2017 ist für 61 Prozent der Millennials in den USA Netflix die erste oder zweite Wahl, um TV-Inhalte anzusehen.

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Das lieben die Zuschauer so an Netflix: originale Inhalte. | Bildquelle: Unternehmen

Kampfansage vom Unterhaltungs-Dinosaurier Walt Disney

So viel Erfolg macht neidisch; derzeit ist Amazon Netflix' größter Gegenspieler. Neuerdings macht aber auch der Unterhaltungsriese Walt Disney mächtig Druck. Der Kauf von Konzernteilen des Rivalen 21st Century Fox und die Ankündigung, 2019 einen eigenen Streaming-Dienst zu lancieren, sind eine Kampfansage an Netflix.

Disney-Produktion Captain America

Captain America gehört jetzt zu Disney. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch das Silicon Valley schläft nicht. So rüstet etwa Google sein Youtube-Portal auf – das dürfte vor allem die ganz jungen Zuschauer ansprechen: Die Generation Z, also die 2000 bis heute Geborenen, schaut täglich zwischen zwei und vier Stunden Youtube.

Exklusive Inhalte bleiben auch 2018 Trumpf

Doch Netflix ist der Konkurrenz in technischer wie inhaltlicher Hinsicht um Meilen voraus, ist Eric Sheridan, Branchenanalyst bei der Schweizer Investmentbank UBS, überzeugt.

Nach dem großen Erfolg der "Original Content"-Strategie im abgelaufenen Jahr wird Netflix jedenfalls auch 2018 wieder im großen Stil in Eigenproduktionen investieren: In diesem Jahr sollen 7,5 bis 8 Milliarden Dollar in sogenannte "Originals" fließen.

Ganz gelassen?

Netflix legt so – im Gegensatz zu Youtube – den Fokus weiterhin ganz klar auf die Steigerung des Abo-Wachstums, betont Tim Nollen von Macquarie. Werbung spiele dagegen nur eine ganz untergeordnete Rolle. Ein Fokus, der den Bedürfnissen vieler Zuschauer entgegenzukommen scheint.

Netflix bleibt denn auch – zumindest vordergründig – ganz gelassen angesichts der wachsenden Konkurrenz: Im Aktionärsbrief heißt es, der Entertainment-Markt sei "groß genug" für viele erfolgreiche Services.

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Netflix: Vom Video-Verleih zum Weltkonzern Die Eroberung der Fernsehwelt

Netflix-Gründer Reed Hastings

Visionär Reed Hastings
Netflix gibt es schon seit 1997. Damals war es noch üblich, sich Filme in einer Videothek auszuleihen. Reed Hastings, ein Software-Programmierer und Geschäftsmann, kam die Idee einer bequemeren Alternative: Ein Online-Filmverleih, über den man Videokassetten und DVDs ausleiht, ohne in den Laden gehen zu müssen.