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Überraschend dynamisch Nestlé: Schwerer Tanker nimmt Fahrt auf

Stand: 26.07.2018, 08:35 Uhr

Babies, Kaffeetrinker und Tiere: Die Bedürfnisse dieser Konsumenten haben Nestlé wieder auf Touren gebracht. Der Konzern baut weiter um, ein aktivistischer Investor erhöht weiter den Druck.

Der Umbau durch den neuen Firmenchef Mark Schneider bringt Nestle wieder in Schwung. Im ersten Halbjahr lag das um Sondereffekte bereinigte organische Wachstum des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns bei 2,8 Prozent, wie die Schweizer Firma am Donnerstag mitteilte. Zahlen, die an der Börse gut ankommen. Der Nestlé-Kurs steigt im Laufe des Vormittags um rund 3 Prozent.

Weitere Beschleunigung

Nestlé: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,04
Differenz relativ
+0,24%

In der zweiten Jahreshälfte erwartet Schneider eine weitere Beschleunigung: Im Gesamtjahr soll das Plus dann bei rund drei Prozent liegen. Bislang war Nestle für 2018 von einem Wachstum von zwei bis vier Prozent ausgegangen. So stieg der Umsatz in der ersten Jahreshälfte um 2,3 Prozent auf 43,9 Milliarden Schweizer Franken (38 Mrd. Euro), wie der Hersteller von Kitkat-Schokoriegeln, Maggi-Suppe und Nescafé am Donnerstag in Vevey mitteilte. Aus eigener Kraft wuchs der Konzern um 2,8 Prozent. Das war mehr, als Analysten erwartet hatten. Der Gewinn verbesserte sich im ersten Halbjahr um 19 Prozent auf 5,8 Milliarden Franken. Dies lag vor allem an Unternehmensverkäufen.

Nestlé wächst schneller

Damit wächst Nestle schneller als im Vorjahr, als das Plus bei 2,4 Prozent gelegen hatte. Von seinen eigenen Zielen ist Schneider damit aber immer noch ein Stück entfernt: Bis 2020 soll die Kennzahl auf rund fünf Prozent steigen.

Umbau im vollen Gange

Um das zu erreichen, hat der deutsche Nestlé-Chef Mark Schneider, der seit etwa zwei Jahren an der Spitze des Konzerns steht, hat bereits Einiges in die Wege geleitet, um den schweren Tanker agiler zumachen.

Ferrero und Starbucks

So wurde das US-Süßwarengeschäft an den Nutella-Hersteller Ferrero verkauft. Derzeit überprüft Nestlé zudem den Verkauf des Lebensversicherungsgeschäfts Gerber, das der Konzern einst bei der Übernahme des gleichnamigen Säuglingskost-Herstellers mit gekauft hatte. Das wachsende Kaffeegeschäft hat er bereits mit mehreren Zukäufen und einer Partnerschaft mit Starbucks gestärkt. Nestlé übernimmt von den Amerikanern das Handelsgeschäft außerhalb der Kaffeehäuser und kann somit künftig weltweit Starbucks-Kaffee vertreiben. "Die Ergebnisse für die erste Jahreshälfte zeigen deutlich, dass sich unsere strategischen Initiativen und deren konsequente Umsetzung bezahlt machen", sagte Schneider.

Loeb macht weiter Druck

Nestlé bekommt derzeit Druck vom aktivistischen Investor Daniel Loeb. Dieser hatte sich bei dem Konzern eingekauft und hält etwas mehr als ein Prozent der Anteile. Loeb dringt auf mehr Tempo beim Konzernumbau und fordert die Trennung von Geschäftsbereichen, die 15 Prozent des Umsatzes ausmachen. Die Mittel daraus sollen für Zukäufe und weitere Aktienrückkäufe verwendet werden.