Logo des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé vor der Hauptverwaltung in Vevey
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Nespresso reicht noch nicht Nestlé: Vom Kaffee zum Café

Stand: 15.09.2017, 13:45 Uhr

Der weltgrößte Nahrungsmittel-Konzern stellt Investoren und Experten seit einiger Zeit nur bedingt zufrieden. Die Erlöse legen nur schleppend zu, die Aktie macht kaum mehr Boden gut. Vielleicht Zeit für Experimente wie den Kauf einer Kaffeekette.

Rund eine halbe Milliarde Euro lässt sich der Schweizer Konzern nach Medienberichten die Mehrheitsbeteiligung an Blue Bottle Coffee kosten. Der US-Edelröster und Fachhändler betreibt außerdem rund 30 Cafés in den USA und Japan. Blue Bottle solle als eigenständiges Unternehmen weitergeführt werden, heißt es von Unternehmensseite. Nestlé ist neben seinen vielen anderen Produktbereichen auch der größte Kaffeeproduzent, mit Marken wie Nescafé für löslichen Kaffee und Nespresso für Kaffee-Kapseln.

Kaffee als Wachstumstreiber

"Kaffee, Tierfutter, Babynahrung und Wasser", diese Produktbereiche hatte der neue Firmenchef Mark Schneider noch vor wenigen Wochen als Wachstumssegmente identifizier, "und zwar genau in dieser Reihenfolge", wie er in einem Interview mit dem "Manager-Magazin" im Juli geäußert hatte. Kaffee soll also ein wichtiger Bestandteil einer neuen Wachstumsstrategie sein.

Schneider, der zu Jahresbeginn vom deutschen Gesundheitskonzern Fresenius zu Nestlé gewechselt war, ist dabei gleich von mehreren Seiten unter Druck. Die Halbjahresergebnisse, die Nestlé Ende Juli veröffentlichte, ließen einige Wünsche offen: Die Erlöse des Konzerns waren in den ersten sechs Monaten des Jahres nur um 2,3 Prozent auf 43 Milliarden Franken gestiegen. Dazu kam noch, dass Nestlé seinen Ausblick für das laufende Gesamtjahr zusammenstrich; organisch sieht sich das Unternehmen 2017 eher im unteren Bereich der Prognose von zwei bis vier Prozent wachsen.

Aktie wird nicht richtig wach

Die Anleger scheinen bei Nestlé schon seit längerem ein wenig vergrault, auf Sicht von zwölf Monaten hat der Titel genau null Prozent Performance erreicht. Davon irritiert sein dürfte auch ein neuer Großinvestor, der dem Management wohl ein wenig Dampf machen will: Daniel Loeb, seines Zeichens aktivistischer Investor hat sich vor kurzem mit seinem Hedgefonds Third Point rund 1,25 Prozent an Nestlé gesichert. Beobachter rechnen damit, dass immer mehr Wert auf die Unternehmensführung ausüben will. Dazu gehört etwa die Forderung, die Beteiligung am Kosmetikriesen L'Oreal zu verkaufen.

Aktienrückkauf als Zugeständnis?

Bereits im Juni hatte Nestlé einen großangelegten Aktienrückkauf angekündigt. Anteile im Gesamtwert von 20 Milliarden Franken sollen binnen drei Jahren erworben werden, um Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen. Wachstum hat Nestlé damit freilich noch nicht geschaffen. Dazu dürfte es in den kommenden Monaten noch einiger Initiative erfordern. Vielleicht ist der Kauf des Kaffee-Konzern aus den USA ein erster Schritt in dieser Richtung.

AB