Logo des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé vor der Hauptverwaltung in Vevey

Milliarden-Zukauf Nestlé stärkt sich mit Vitaminen

Stand: 05.12.2017, 18:34 Uhr

Der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller setzt zunehmend auf das wachsende Gesundheitsgeschäft. Für 2,3 Milliarden Dollar schlucken die Schweizer den kanadischen Vitaminhersteller Atrium Innovations.

Der Ex-Fresenius-Manager Mark Schneider, der seit Anfang des Jahres den Nestlé-Konzern führt, hat seine erste Duftmarke gesetzt: Mit dem am Dienstagabend angekündigten ersten Milliardenzukauf treibt er den Ausbau des Geschäfts mit Gesundheitprodukten voran. Dieses verspricht deutlich höhere Wachstumsraten als der vielerorts gesättigte Markt für Süßigkeiten.

Schneider setzt auf den Ausbau von Wachstumsfeldern wie Kaffee, Tiernahrung, Wasser, und den Gesundheitsbereich - auch durch Zukäufe. Vor einem Monat erwarb Nestlé in den USA den Anbieter von kalten Kaffee-Produkten Chameleon Cold-Brew. Insidern zufolge sollen die Schweizer auch ein Auge auf das Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten des Darmstädter Merck-Konzerns geworfen haben.

US-Marktführer bei natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln

Nestlé erhofft sich von dem Kauf des Vitamin-Herstellers weitere Wachstumsmöglichkeiten im Bereich Consumer Healthcare. Atrium vertreibt Nahrungsergänzungsmittel wie Multivitaminpräparate, Proteinnahrung oder Mahlzeitenersatz. Die wichtigste Atrium-Marke "Garden of Life" sei Marktführer im Bereich natürliche Nahrungsergänzungsmittel in den USA.

Atrium dürfte Nestlé zufolge dieses Jahr nahezu 700 Millionen Dollar Umsatz erwirtschaften. Das Unternehmen mit 1400 Beschäftigten sei in den letzten Jahren zweistellig gewachsen und dieses Tempo dürfte anhalten, sagte Greg Behar, Leiter der Nestle-Sparte Health Science. Auch zum Gewinn von Nestle werde Atrium unmittelbar beitragen. Abgeschlossen werden soll die Transaktion im ersten Quartal 2018 - abhängig von den erforderlichen behördlichen Genehmigungen.

Aktien brauchen neuen Schub

Die Nestlé-Aktien sind auf Ein-Jahres-Sicht um 15 Prozent gestiegen. Mit 79,55 Euro erreichten sie im Sommer ein Rekordhoch. Seither haben die Konsumtitel an Kraft verloren.

Ende Juni war der aktivistische Investor Daniel Loeb mit seinem Hedgefonds Third Point bei Nestlé eingestiegen. Dieser hatte für 3,5 Milliarden Dollar 40 Millionen Aktien oder 1,25 Prozent des Kapitals erworben und ist damit achtgrößter Investor. Nestlé reagierte mit einem groißen Aktienrückkauf-Programm.

nb